Kaum zu glauben: Anfang April habe ich in gleißender Sonne eine Brennnesseljauche angesetzt, um

  • mit diesem biologischen Mittel sowohl das wilde Wachstum meines Gartens mit Nährstoffen zu unterstützen als auch
  • meinen Ewigen Kohl und meine auf dem Dachboden herumkümmernde Physalis gegen saugende Insekten zu spritzen.

Und nun das: Winter!

Eigentlich sollte mein nächster Artikel lauten „Ich pflanze einen Baum“. Denn ich war sehr stolz, dass ich meine Säulenkirsche ‚Garden Bing®‘ nach ‚nur’ zwei Jahren nun ins Beet gepflanzt habe (siehe Titelfoto), begleitet von Meerrettich zur Vorbeugung gegen die Kräuselkrankheit. Ich hatte das Bäumchen erfolgreich überwintert, es hatte Knospen angesetzt und wartete nur darauf von Bienen bestäubt zu werden. Daher habe ich meine Säulenkirsche zur gegenseitigen Befruchtung neben zwei weiteren Kirschbäumen auf unserem gemeinsamen Obst- und Gemüseacker platziert, wobei ich den Mindestabstand von drei Metern gerade so einhalten konnte.

Letztendlich würde eine Expertin / ein Experte jedoch einige Kritik daran üben, wie ich meinen Baum in die Erde gebracht habe. Wenn’s gut werden soll, braucht’s halt zwei Personen und vier Hände. So wie man auch an Weihnachten die teuer erkaufte Nordmannstanne in der Regel zu zweit im Christbaumständer versenkt, damit’s schön gerade wird. Solls dann auch noch Fotos geben… Kurz, es gibt keinen würdigen Baumpflanzartikel.

Daher zurück zur

Brennesseljauche

Brennesseljauche – abfüllbereit, zum Spritzen gegen Läuse oder als Flüssigdinger mit viel Stickstoff. Das Fass hat mein liebster Gatte ursprünglich zum BIerbrauen genutzt.

Brennnesseljauche

Diese ist perfekt

  • als Bio-Spritzmittel für schädlingsgefährdete Pflanzen, insbesondere um Läuse zu bändigen (Verdünnung 1:10), vergleichbar mit der Brennnesselbrühe
    aber auch
  • als milder Flüssigdünger im Gießwasser für Pflanzen mit Stickstoff- und Kalium-Bedarf (Verdünnung 1:20)

Um die Jauche herzustellen, gibt man Brennnesseln in ein Gefäß und gießt Regenwasser auf, so dass die Pflanzen bedeckt sind. Das Verhältnis beträgt in allen Ratgebern 1kg frische Brennnesseln auf 10 Liter Wasser. Es muss aber noch Platz im Gefäß sein. Denn im Anschluss gärt die Jauche zwei bis drei Wochen an einem sonnigen Plätzchen und schäumt dabei ordentlich. Für die nötige Sauerstoffzufuhr muss jeden Tag kräftig umrührt werden. Die fertige Jauch schäumt nicht mehr und nimmt eine braune Farbe an.

Gegen den Jauchegestank hilft angeblich die Zugabe von Gesteinsmehl. Da es bei mir niemanden stört, durfte meine Bennnesseljauche fröhlich gegen die Gülle vom Bauern anstinken. Nach drei Wochen konnte ich die Planzenreste entfernen und auf den Kompost gegeben.

Attraktiv an dem Brennnesseldünger finde ich insbesondere, dass ich ihn sorglos über die niedrigen Erdbeeren geben kann, deren Früchte am Boden aufliegen. Im Kompost dagegen, toben die Mäuse und hinterlassen ihre krankheitserregenden Hantavieren, die besser nicht in direkten Kontakt mit meinem Obst und Gemüse kommen …

Doch auch sonst bin ich ein Fan vom

Superfood Brennnessel

Brennnesseln sind toll. Schon weil sie wild wachsen, ohne gegossen, gedüngt oder sonst wie gepäppelt zu werden.

Kräuterkundige jedoch schätzen vor allem ihren Gehalt an Vitamin C, Calcium, Magnesium und Eisen, an Flavoniden, Carotinoiden und Eiweiß. Die Brennessel gilt als blutreinigend und harntreibend und wurde bereits in der Antike als Heilkraut verwendet. Meine Oma hat sie äußerlich gegen Rheuma eingesetzt. Aktuell landen die frühlingsfrischen Blattspitzen als Entschlackungswunder in Tees, Suppen, Smoothies oder auch im Salat. Die Samen (der weiblichen Pflanzen) gelten sogar als Geheimtipp zur Potenzsteigerung. Für diesen wichtigen Einsatz kann man kann sie delikat anrösten und dem Liebsten dann im Salat oder Müsli verabreichen. In meinem Haushalt kam diese Rezeptur bislang nicht zu Anwendung 😉

Auf jeden Fall inspiriert die als Unkraut verrufene Brennnessel derzeit alle Fernseh-, Print- und Online-Magazine zu exstatischen Superfood-Artikeln. Selbst ich habe daher damit begonnen, sie zu essen. Brav habe ich so einige Portionen Brennnesselchips getrocknet und gegessen bis … bis ich entdeckt habe, dass auf unserem Acker sogar in der schwer zugänglichen Brennnesselecke allerlei Vierbeiner ihr dreckiges Geschäft verrichten und dort ihre krankheitserregenden Keime hinterlassen, …

Merke: Heilkräuterpflücken sollte ausschließlich an Stellen erfolgen, welche nicht von Hundehaltern mit ihren Liebsten zum Wildkacken aufgesucht werden. Auf jeden Fall ist das Waschen der Brennnesseln unter laufendem Wasser oberstes Gebot. Dennoch fertige ich meine Gemüsechips nun lieber mit Kohl an …

Aber zurück zu meiner Brennnesseljauche. Sie war also fertig und harrte ihrer Anwendung. Allein: Mit einem Mal war es zu kalt und es kam der

Wintereinbruch 2017

Wahre Liebe: Mein Nachbar schützt seine Palme mit Noppenfolie und Heizöfelchen gegen den Wintereinbruch im April 2017.

Wintereinbruch

Bereits im letzten Jahr haben wir gelernt: Hüte Dich vor gärtnerischem Übereifer vor den Eisheiligen. Beet vorbreiten: ja! Auspflanzen und düngen: NEVER EVER!

In der Nacht nach den Osterfeiertagen gab es sogar hier im heimeligen Auenland Schnee. Ich konnte es nicht glauben, bis ich es selbst gesehen habe. Zuerst habe ich ganz egozentrisch meinen eigenen Wintermantel nebst Strickmütze vom Dachboden geholt, doch schon mein zweiter Gedanke galt meiner kleinen, blühenden Säulenkirsche. Und der Heidelbeere, den Erdbeeren, … Während mein liebster Gatte sich bemüht hat, sein Auto flott zu kriegen, ohne Handschuhe, hastete ich in den Garten, ohne Handschuhe. Rasch bekamen Kirsche und Heidelbeere eine Haube aus Flies und Folie. Die Erdbeeren verhüllte ich mit Stroh aus dem Gartenschuppen.

Kleiner Haken: Ich konnte sie nicht alle retten, die frischen Triebe von Hibiskus, Hortensien und Rosen, nicht über Tage hinweg alle Obstblüten abdecken und gegen die Kälte schützen. Obwohl wir hier noch nicht mal Schnee schippen mussten wie meine schwäbische Verwandschaft, ist die Obsternte wohl kaum zu retten. Jungtriebe und Blüten sind braun und vertrocknet.

Zudem war das Erdbeerstroh aus dem Schuppen nicht unbefleckt: Ihre dunklen Köttel hinterlassend hatte dort offensichtlich eine Mäusesippe überwintert. Und deren krankheitserregende Hantavieren wollte ich nun wirklich nicht in meinem Obst und Gemüse …

Das Perverse: Gestern hatte wir für einen kurzen Tag ein Wahnsinnswetter und nun haben die Rosen und ich Sonnenbrand. Verstehe das, wer will …

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Meine Gedanken sind bei den Obst- und Weinbauern, die im April um ihre Blüten gebangt haben und noch immer um ihre Ernte zittern. Liebe Moselwinzer, haltet durch. Wir halten Euch die Treue und zahlen jeden Preis!

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Meine Brennnessel-Quellen

  • Berg, Peter,  BIO gärtnern. Der Grundkurs, Stuttgart 2013.
  • „Gesunde Pflanzen: Pflege-Fahrplan mit Jauchen und Brühen“, in kraut&rüben 3/2017.
  • Malm, Liesel, Die Kräuter-Liesel. Meine besten Heil- und Gewürzkäruter, München 2013.
  • „Nesselsüchtig“, in: kraut&rüben, Sonderausgabe Kräuter 2/2014.
  • Weinrich, Christa, Mischkultur im Hobbygarten, Ulm 2008.

und: die Kräuterfreunde Ober-Ramstadt.

Meine Winterschutz-Quellen

Meine lieben Nachbarn Jutta und Peter.

Dankeschön!

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