Buchsbaumhecke unter Befall des Buchsbaumzünslers

Meine Buchsbaumhecke unter Befall des Buchsbaumzünslers

Das Ende meiner Buchsbaumhecke hätte ich erahnen können, als letztes Jahr die Hecke meiner Nachbarin vom Buchsbaumzünsler, einem Schädling aus Ostasien, befallen wurde. Leider fällt eine Hecke bei mir mehr in die Kategorie

  • „Grenzsetzung“ = Notwendigkeit, die irgendwie zum Pflichtenheft gehört, als in die Kategorie
  • „Lieblingspflanze“ = Gartenschatz, der um jeden Preis zu retten ist.  

Daher machte ich mir keinerlei Gedanken …

Ich dachte, es handle sich bei diesem Phänomen um einen Pilzbefall. Und ich hatte gehört, dass man gegen den Buchsbaumzünsler ohnehin nichts ausrichten könne, außer massenweise Gift zu spritzen. Tatsächlich hatte eine Kollegin dank einer wüsten chemischen Keule ihren heißgeliebten, über Jahre in Form getrimmten Solitär-Buchs gerettet. Und lebt noch heute glücklich mit ihm zusammen.

Ich dagegen habe recht unmotiviert und gleichgültig das Absterben meiner Hecke aus den Augenwinkeln registriert. Genauer angeschaut habe ich mir sie nicht. Schon weil ich im Garten keine Lesebrille trage. Sie wurde einfach Beigefarben und hatte weniger Blätter. Jetzt im Frühjahr habe ich mich dran gemacht, den geschädigten Buchs auszugraben und zu entsorgen. Eine Heidenarbeit!

Mitten in meinem Beseitigungswerk kam ein Nachbar hinzu. Er bedauerte meinen Schaden, dann stutze er. „Du packst den Buchsbaumschnitt aber nicht in die Bio-Tonne?“, rief er aus. „Wohin denn sonst?“, entgegnete ich, „im Kompost möchte ich das Zeug nicht haben“. Darauf er: „In den öffentlichen Kompostieranlagen darf der Buchsbaum jedenfalls nicht landen, da der Zünsler sich dort weiter vermehren kann. Am besten Du verbrennst den Abfall komplett hinten im Garten“.

Verbrennen? Ich? Klar, dieser Nachbar kann nicht wissen, dass ich mich allein mit einem Handrührgerät oder einem Gemüsehobel krankenhausreif zurichten kann. Mich dazu aufzufordern etwas Größeres als ein Teelicht anzuzünden kommt einer Anstiftung zum Selbstmord gleich. Mein liebster Gatte hat daher bereits den Crème brûlée-Brenner vor mir versteckt. Ein verspätetes Mai-Feuer auf Buchsbaum-Basis kommt daher nicht in Frage. „Aber“, dachte ich, „es kann ja auch nicht sein, dass wir nun alle unsere Hecken abfackeln. Sicher gibt es hierzu eine einfache offizielle Empfehlung“. Also habe ich mich erstmalig  über das Phänomen Buchsbaumzünsler informiert. Und tatsächlich gibt es eine Lösung für die Beseitigung befallener Pflanzenteile … jedoch lautet sie in jeder Stadt anders 😉

Aber jetzt erst mal eine Zusammenfassung meiner Lektüre.

Was ist ein Bauchbaumzünsler überhaupt?

Der Buchsbaumzünsler (lat. Cydalima Perspectalis) ist kein Pilz sondern ein Falter, der sich von Buchsbäumen ernährt. Er wurde unfreiwillig aus Ostasien importiert, vermutlich weil der Import von Jungpflanzen billiger ist, als diese hier selbst mühsam anzuziehen. Der Falter legt seine Eier hauptsächlich an den äußeren Blättern des Buchsbaums ab, aus denen grün-schwarz gestreifte Raupen schlüpfen. Diese fressen zunächst die Blätter, dann aber auch die Rinde an den Ästen der Buchsbäume. Pflanzenteile oberhalb der Fraßstelle sterben dabei ab und werden gelb. Die Raupe Nimmersatt verpuppt sich und verwandelt sich zuletzt in einen wunderschönen Schmetterling … Und dieser legt seinerseits wieder viele kleine Eier in die nächste Buchsbaumhecke.

Da sich der Schädling massiv und rasch ausbreitet, sollte man bei einem Befall zügig und nachhaltig reagieren.

Nahaufnahme Buchsbaumzünsler

Genauer angeschaut habe ich mir meine gelbliche Buchsbaumhecke nicht. Schon weil ich im Garten keine Lesebrille trage 😉 Erst über diese Nahaufnahme des befallenen Schnittguts in meiner Biotonne wurde mir das ganze ekelhafte Ausmaß klar. Um das zerstörerische Treiben des Buchsbaumszünslers in unseren Buchsbäumen und seine weitere Verbreitung einzudämmen, ist rasches Handeln gefragt. Und ich trage künftig eine starke Brille bei der Gartenarbeit.

Schritt 1: Befall durch Buchsbaumzünsler erkennen

Wer Buchsbaum im Garten hat, sollte regelmäßig ins Blattwerk schauen, um einen Befall durch Bauchsbaumzünsler frühzeitig zu erkennen. Hilfreich dabei sind auch Pheromon-Fallen mit Lockstoffen weiblicher Tiere. Sind benachbarte Hecken bereits befallen, erübrigt sich das jedoch. Die Falter arbeiten sich Meter für Meter voran, garantiert.

Bekämpfen oder gleich entsorgen?

Bekämpfen oder gleich entsorgen! Denn entweder man Buchs samt Falterbrut umgehend oder man nimmt den Kampf auf. Ganz blöd ist jedoch, einfach nur zuzuschauen und abzuwarten.

Schritt 2: Natürliche Schädlingsbekämpfung

Vor ein paar Jahren noch galt der Buchsbaumzünsler als giftig. Er habe keine natürlichen Feinde in unseren Breiten, hieß es. Ich habe jedoch ein paar Tiervideos und weitere Infos gefunden, die vom Gegenteil überzeugen. Spatzen, Meisen, Laufenten, Wespen, sie alle entwickeln Appetit auf das neue Insekt. Wenn wir möchten, dass sie den Buchsbaumzünsler ganz oben auf ihre Speisenkarte setzen, sollten wir auf eine natürliche Schädlingsbekämpfung setzen, statt unseren Nützlingen mit Gift auf den Magen zu schlagen.

Findige Buchsbaumbesitzer empfehlen folgende Bekämpfungs-Methoden:

  • Absammeln der Raupen und Gespinste und entfernen des befallenen Pflanzenmaterials.
  • Spritzen mit ökologischen Mitteln auf Basis von Bakterien oder Neem.
  • „Weg-Kärchern“ – also das Absprühen mit einem Hochdruckreiniger.
  • Indische Laufenten einsetzen.

Quellen und rettende Maßnahmen im Detail:

Das alles ist jedoch schwierig, wenn in der Nähe weitere befallene Buchsbäume stehen. Dann können die Schädlinge ihre Eier immer weiter nachlegen. Zudem handelt es sich um eine höchst mühsame Daueraufgabe. Ich habe mich daher für eine komplette Neupflanzung meiner Hecke entschieden. Die Auswahl an geeigneten Heckenpflanzen ist immens. Insbesondere der Ilex ist gerade sehr beliebt. Da mir jedoch nichts an einer formalen Hecke liegt, fiel meine Wahl nun auf Zwergazaleen. Das erspart mir zudem den beim Buchs obligatorischen Heckenschnitt … und das damit verbundene Gefahrenpotenzial!

Der Buchsbaum muss raus

Der Buchsbaum muss raus. Dafür zunächst Äste und Blätter entfernen und fachgerecht entsorgen. Keinesfalls auf dem eigenen Kompost! Dann erst die Wurzeln ausstechen.

Schritt 3: Fachgerechte Entsorgung von befallenem Buchsbaumschnitt

Die Entsorgungs-Vorgaben von „verzünseltem“ Buchbaumschnitt sind streng und leider nicht einheitlich geregelt. Hier zwei konträre Beispiele:

  1. AWS – Abfall-Wirtschafts-Service GmbH: Schwarze Tonne
    Kleinere Mengen, wie in meinem Fall, werden in einer Plastiktüte oder einem Müllsack luftdicht verpackt und in der Restmülltonne entsorgt. Denn nur über die öffentlichen Müllverbrennungsanlagen oder auch privates Verbrennen in einem geschlossenen Ofen sei sichergestellt, dass der Schädling abgetötet wird anstatt sich weiter zu verbreiten. So zumindest die Empfehlung vieler Kommunen, wie auch von der AWS für Groß-Gerau bei Darmstadt über echo online (Stand 2014).
  2. ZAW – Zweckverband Abfall- und Wertstoffeinsammlung: Grüne Tonne
    Dagegen soll laut ZAW aktuell (vgl. Seite 6!), dem Info-Blatt des Zweckverbandes Abfall- und Wertstoffeinsammlung für den Landkreis Darmstadt-Dieburg, zu welchem auch meine Buchsbaumhecke und meine Biomülltonne gehören, der befallene Buchs in die grüne Tonne. Denn: Professionelle Kompostierungsanlagen erhitzen über 55° C und über mehrere Wochen, so dass der Buchsbaumzünsler in allen Stadien vernichtet wird.

Bitte prüfe daher, was Dein Kreis / Dein Abfallentsorger als angemessen erachten. Aber entsorge den befallenen Buchs keinesfalls in Deinem eigenen Kompost! Ich freue mich derweil bereits an meinen neuen Zwergazaleen. Dabei bewache ich mit Argusaugen und ebenfalls neuer Gleitsichtbrille deren Anwachsen.

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Nachtrag, 02.06.2017:

Heute im Moma wurde über den Buchsbaum als Rosenbegleiter gesprochen. Die Tipps zur Beseitigung des Zünslers lauteten Algenkalk und Bacillus thuringiensis.

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