Fast sommerliche Temperaturen haben uns bereits einige Gartenwochenenden beschert. Man müsste aber gar nicht auf das Thermometer schauen, um zu wissen, dass der Frühling angekommen ist, man kann es auch hören, alljährlich, das Konzert der Benzin- und Kabelrasenmäher. Nur der Mähroboter unserer Nachbarn macht da nicht mit, er dreht auch in diesem Jahr ganz leise und sachte seine Kreise. Unser Rasen verdient seinen Namen eigentlich gar nicht mehr. Er erinnert vielmehr an eine irische Mooslandschaft.

Moos, soweit das Auge reicht

Moos, soweit das Auge reicht

Moos in der Nahaufnahme

Moos in der Nahaufnahme

Ich finde ihn ja gar nicht schlecht, läuft es sich im Sommer doch wie auf Wolken, aber schön ist was anderes, an vielen Stellen ist er doch recht braun und mähen kann man ihn so auch kaum noch. Ich habe also mein Rasenhandbuch zur Hand genommen und mich schlau gemacht. Wie bekommt man den Rasen einigermaßen moosfrei, ohne zum Unkrautvernichter zu greifen, der den Rasen tagelang nicht begehbar macht und ohne den ganzen Garten umpflügen zu müssen, was mein Mann am liebsten tun würde? Zum Glück kann er abschätzen, was das bedeuten würde: tageslange Schwerstarbeit und wochenlangen Muskelkater. Bespielbar wäre der Rasen ebenfalls eine Zeit lang nicht. Das kommt für uns nicht in Frage, dann lieber Mooslandschaft, ist irgendwie ja auch ein ganz praktischer Fallschutz.

Nun, zum Gemüse anpflanzen war es noch etwas früh war und ich hatte Urlaub, es juckte aber in den Fingern im Garten etwas zu tun, gerade als ich noch darüber nachdachte und dem Rasen den ersten Schnitt verpasste, brachte uns die Nachbarin den Gemeinschaftsvertikutierer vorbei. Es war sonnig, ich hatte Zeit und schwupps war das Gerät angeschmissen. Ich konnte ja nicht ahnen, was das bedeutete…

Wozu vertikutieren?

Mit der Zeit bildet sich an der Rasenoberfläche ein Geflecht aus abgestorbenen Wurzeln, Moos und Mähresten. Dieser „Teppich“ lässt weniger Nährstoffe durch und „behindert“ den Rasen beim „Atmen“ und der Wasseraufnahme. Vertikutierer zerschneiden diesen Filz und reißen ihnen auf. Locker sitzende Wurzeln, wie die von Moos werden dabei herausgerissen. Wer viele und große Flächen davon im Rasen hat, muss beim Vertikutieren mit kahlen Stellen rechnen.

Wie wird vertikutiert?

VertikutiererJe nach Beschaffenheit des Rasen sollte 1-2 Mal im Jahr vertikutiert werden, entweder im Frühjahr, vor der Wachstumsperiode oder im Herbst.

Dafür kann man entweder zu einem Handvertikutierer greifen, was Muskelkraft erfordert, vor allem bei größeren Flächen, oder zur motorisierten Variante, die ähnlich wie eine Rasenmäher funtkioniert. Diese kann man im Baumarkt auch ausleihen. Ich empfehle ein Modell mit Fangkorb! Denn alles, was der Vertikutierer aus der Erde reißt, lässt er in kleinen Häufchen liegen und in unserem Fall bedeutete dies stundenlanges Harken und Rechen.

Vor dem Vertikutieren wird der Rasen gemäht, dann der Vertikutierer bahnweise geführt. Den gelösten Filz nun kräftig abrechen. Danach den Rasen düngen, gegebenfalls nachsäen und kräftig wässern.

Biodünger und Schattenrasen

Biodünger und Schattenrasen

Wir haben dann doch gedüngt, mit Biodünger, der noch zwei Tage später uns und unseren Nachbarn das Gefühl gab mitten auf dem Land und nicht in einer Großstadt zu wohnen. Genauer gesagt: Es stank wie im Kuhstall. Aber der Rasen war sofort begehbar…

Kahle Stellen nach dem Vertikutieren

Kahle Stellen nach dem Vertikutieren

Da wir einige kahle Stellen vorzuweisen hatten, haben wir auch nachgesäet. Dafür haben wir extra Schattenrasen verwendet. Denn die Stellen, die wenig Sonne abbekommen, bestanden eigentlich nur aus Moos. Nach dem Säen muss der Rasen dauerhaft feucht gehalten werden, damit der Samen keimen kann, es empfiehlt sich daher das Nachsäen im Frühjahr, vor allem der April mit häufigeren Regenfällen und trotzdem einigermaßen milden Temperaturen, vorzunehmen. Schön gleichmäßig lässt sich der Rasen mit einem Streuwagen auf den Rasen bringen.

Aerifizieren

Fast so wichtig wie das das Vertikutieren ist das Aerifizerien des Rasens. Manche Experten meinen sogar, es sei noch bedeutsamer. Beim Aerifizieren werden Löcher in den Rasen gestochen, die den Rasen belüften und den Boden lockern.

Der Rasen sollte alle 2-3 Jahre aerifiziert werden. Auch dafür gibt es Profigeräte zum Leihen, für kleinere Flächen eignen sich auch Grabgabeln oder spezielle Aerifiziergabeln mit Hohlzinken. Allen gemein ist, dass sie Löcher in den Rasen stechen, die für eine bessere Belüftung sorgen. Diese Löcher sollten mit Sand befüllt werden (sorgt für eine bessere Bodenstruktur). Um alle Löcher gleichmäßig zu füllen, wird der Rasen mit einem groben Besen „gefegt“, dabei nicht zu fest aufdrücken!

Nach dem Sanden, folgt das Top-Dressing. Dabei wird eine Mischung aus Sand und Dünger auf die aerifizierte Fläche gestreut.

IMG_0402Für nicht allzu große und nicht zu verdichtete Böden können auch „Aerifizierschuhe“ bzw. „Nagelschuhe“ verwendet werden. Das haben wir versucht. Besser gesagt mein Mann, mit einem bösen Ende. Da wir Besuch zum Grillen erwarteten, wollte er eigentlich schon aufhören. Aber unser Gartenzwerg wollte unbedingt noch eine Stelle durchlöchert haben. Dummerweise hatte Papa den Schuh schon halb abgeschnallt, wollte seinem Töchterlein aber noch den Wunsch erfüllen, rutschte ab und… der Rasen färbte sich rot. Den Rest erspar ich unseren Lesern lieber. Mit Aerifizieren war danach erstmal Schluss. Wir warten nun, was das Vertikutieren und Nachsäen gebracht hat. Vielleicht kommt der Schuh im Herbst nochmal zum Einsatz.

 

Update 2 Wochen nach dem Vertikutieren: Auf der Düngerpackung steht „Für sichtbar grüneren Rasen“ – ich meine das stimmt. Er müsste auch sehr dankbar sein, denn er hat wohl jahrelang keinen Dünger gesehen. Das Aprilwetter macht uns allerdings einen Strich durch die Rechnung, es regnet zwar, aber zu kurz und zwischendurch scheint die Sonne so kräftig, dass alles gleich wieder trocknet. Gekeimt ist daher noch nichts, wir wässern seit gestern zusätzlich und warten mal ab, was sich die nächsten 2 Wochen noch tut.

Update 4 Wochen nach dem Vertikutieren: Ich meine, der Rasen ist sehr viel grüner, kann aber auch daran liegen, dass gerade allgemein alles viel grüner ist (frei nach Overbeck/Mozart: „Komm, lieber Mai, und mache die Bäume wieder grün…“). Das mit dem Keimen hat nicht so geklappt, wir hätten noch viel mehr wässern müssen, das macht mit unseren Bewässerungsanlagen aber keinen Spaß – ich schenke mir selbst zum Geburtstag eine Bewässerungsanlage, darüber wird’s natürlich auch einen Blogbeitrag geben. Ich habe im Baumarkt eine fertige Nachsaatmischung gekauft, die Samen, Erdsubstrat und Dünger enthält, in der letzten Woche hat’s fast nur geregnet, bei winterlichen Temperaturen und trotzdem sprießt alles – eindeutig nur die Samen der Nachsaatmischung, die funktionieren also wirklich!

 

 

Ein Kommentar zu “Rasenpflege – Vom Vertikutieren und Aerifizieren

  • Liebe Nadine, vielen Dank für diesen Artikel. Deine Rasentipps leite ich stets umgehend an meinen liebsten Gatten weiter. Allein: es passiert nichts! Trotz vielfacher Androhung, dass ich alles umgrabe und stattdessen Pastinaken pflanze. Immerhin haben wir nur Bienenfreundliches an Stelle von Gras, nämlich Klee, Löwenzahn, Gänseblümchen und Gundermann. Daher zögere ich meine Gartenrevolution noch etwas hinaus …

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