SetzlingeDank der milden Temperaturen in den vergangenen Monaten erstrahlt unsere Auffahrt bereits zum Frühlingsanfang in den schönsten Frühlingsfarben. Im November haben die Gartenzwerge und ich drei Nachmittage damit verbracht Zwiebeln von Frühlingsblumen wie Tulpen, Hyazinthen, Osterglocken und Schneeglöckchen in den schmalen Streifen am Rande unserer langen Auffahrt zu verbuddeln. Bereits vor Silvester lugten sie heraus, den danach doch noch einsetzenden Frost haben sie gut überstanden. 

Nun, da die Tage wieder länger und auch einige Grad wärmer werden, wird es Zeit sich auch mit dem Hauptbeet auseinanderzusetzen. Die Gartensaison geht endlich richtig los – juchhu!

Ich bin ein Opfer der Werbung, obwohl ich in dem Bereiche arbeite. AnzuchtsetIch kaufe alles, wo neu drauf steht und ein hübsches Packungsdesign ist bereits die halbe Miete, um in meinem Einkaufskorb zu landen. So geschehen diese Woche bei Budni (Hamburger Version von DM; Müller Drogerie und Co). An diesen herzallerliebsten Mini-Anzuchtsets konnte ich nicht vorbei gehen.Dabei wollte ich doch gar keine Gurken und Paprika. Beinahe wären auch noch Zucchini und Aubergine im Korb gelandet, einfach weil sie so hübsch sind.  Die Tomatenproduktion verlagere ich dieses Jahr auf die Loggia, um das Problem mit dem Dauerregen zu umgehen und weil ich über langjährige gute Erfahrungen in der Anzucht von Balkontomaten verfüge (ach und ich bin übrigens bereits stolze Besitzerin eines Potatoepots und Vorbestellerin von zwei Tomatoffeln, auch für die Loggia….aber dazu später mehr).

Anzucht von Jungpflanzen im Haus

Aber zurück zum Thema, was sind überhaupt Setzlinge? Als Setzlinge bezeichnet man Jungpflanzen, die in Frühbeeten, Treibhäusern oder speziellen Gefäßen im Haus gezüchtet werden. Der Vorteil: Wer im vorangegangenen Jahr Samen seiner Pflanzen aufhebt und gut trocknen lässt (um Schimmelbildung zu vermeiden), kommt günstig zu Pflanzen im neuen Gartenjahr. Selbst die gekauften Samentütchen rechnen sich im Vergleich zu bereits vorgezüchteten Jungpflanzen aus dem Gartencenter enorm.

Einige Pflanzen, wie Tomaten, Paprika oder auch Gurke haben eine längere Vegetationsperiode als in unseren Breitengraden gegeben. Theoretisch müssten sie bereits im Februar/ März ins Beet, da in diesen Monaten aber durchaus noch mit heftigem Frost zu rechnen ist, wäre es den Keimlingen viel zu kalt. Sie würden zu langsam wachsen und nicht richtig ausreifen.  Die Anzucht dieser Pflanzen wird bei uns daher in Treibhaus oder Frühbeet verlagert oder eben ins Haus. Da tut es auch eine Fensterbank, Temperaturen um die 20 Grad und ein paar gut ausgewaschene Joghurtbecher. Ich hatte ja diese entzückenden Anzuchtüten und habe, davon angestachelt, kurz darauf noch 64 Torfbecher, Anzuchterde und eine Menge Samentütchen im Handel erstanden.

Schritt für Schritt zum Setzling

  • Entscheide dich für geeignete Anzuchtgefässe. Hierbei hast du einen relativ großen Spielraum. Du kannst gut ausgewaschene (!) Joghurtbecher verwenden, Eierkartons, kleine Töpfe, Saatschalen oder aber auch spezielle Torfbecher. Letztere haben den Vorteil, dass sie direkt in den Garten gepflanzt werden können, wo sich der Torf nach und nach zersetzt. Gerade bei empfindlichen Wurzeln hilft diese Methode Verletzungen beim Umsetzen zu vermeiden.
  • Suche dir zuerst einen geeigneten Platz aus, an dem deine Keimlinge in Ruhe wachsen können. Eine Fensterbank (nicht zugig) eignet sich sehr gut, allerdings vertragen einige Pflanzen in diesem Stadium keine direkte Sonneneinstrahlung (z.B. die Wassermelone). Die Raumtemperatur sollten bei den meisten Pflanzen um die 20 Grad liegen, ist es zu kalt oder viel zu warm, entwickeln sich die Pflanzen nicht. Um diese Tempraturen zu erreichen, empfiehlt sich ein Zimmergewächshaus.
  • Neben der Temperatur spielt die verwendete Erde eine entscheidende Rolle beim Wachstum der Pflänzchen. Besorge dir gute Anzuchterde, die locker ist und über genügend Nährstoffe verfügt. Je stabiler und gesünder ihre Jungpflanze, umso wahrscheinlicher ein späterer Ernteerfolg!
  • Fülle das Gefäss mit der Anzuchterde, zerkrümel die größere Brocken mit den Fingern. Drücke die Erde an, damit sich keine Lufteinschlüsse bilden können.
  • Säe die Samen in ausreichendem Abstand und decke die Samen mit einer dünnen Schicht Erde ab. Gieß die Erde an.

Deine Setzlinge lassen sich nicht blicken?

Tipps für die Vermeidung der häufigsten Anzuchtfehler:

 

  • Auch Samentüten halten nicht ewig, es kann sein, dass der Samen einfach zu alt ist, um noch Lebensgeister in ihm zu wecken.
  • Verwende unbedingt Anzuchterde! Normale Blumenerde enthält viele Düngesalze, die dafür sorgen kann, dass der Samen oder die zarte Jungpflanze verfault. Die Anzuchterde muss nährstoffarm, wasserdurchlässig und vorallem fein sein.
  • Die Anzuchterde sollte immer gleichmäßig (!) feucht gehalten werden. Am besten eignet sich kalkarmes Wasser, wie zum Beispiel Regenwasser. Austrocknen der Erde kann zum Absterben der Jungpflanzen führen. Zu viel Feuchtigkeit, also Staunässe, führt hingegen zur Verkrustung der Erde. Die Erde wird fest und lässt zu wenig Sauerstoff durch.
  • Eventuell ist die Anzuchttempratur mit 20 Grad doch zu gering. Einige Samen mögen es richtig mollig. Beachte immer genau die Anweisung auf der Samenpackung.
  • Einige Pflanzen sind Dunkelkeimer und müssen unbedingt mit Erde bedeckt werden, einige andere reifen nur mit Sonnenschein. Auch hier Packungsanweisung beachten.
  • Die Erde schimmelt? Sorge für ausreichend Belüftung! Alle 2 bis 3 Tage die Folie/ das Gewächshausdach etc. entfernen und frische Luft ranlassen.
  • Die Samen nicht zu nah beieinander in die Erde legen, Pflanzen brauchen Platz, um sich zu entwickeln.

Pikieren – Setzlinge vereinzeln

Wenn die Pflanzen groß genug sind, sollten sie pikiert, also vereinzelt werden. Dadurch erhalten sie mehr Platz, um sich zu entwickeln. Pikieren regt aber auch das Wurzelwachstum an, denn durch die Herausnahme aus dem Substrat entstehen kleine Wurzelverletzungen, die das Wachstum neu anregen. Der richtige Zeitpunkt zum Pikieren ist gekommen, wenn neben den Keimblättern die ersten richtigen Blattpaare zu sehen sind.

Um einzelne Pflanzen aus Erde herauszunehmen gibt es spezielle Pikierstäbe im Handel, ein einfacher Schaschlikspieß tut es aber auch!

Zuerst werden die Pflanzen voneinander getrennt. Dazu die ineinander verwurzelten Pflanzen an einer Ecke leicht anheben und ein Stück aus dem Anzuchtbehälter nehmen. Die einzelnen Pflanzen werden getrennt, Schwache aussortiert. Die Wurzeln der gesunden Pflanzen werden gekürzt und dem Pflanzloch angepasst.

Mit dem dicken Ende des Pikierstabs ein Loch in die feinkrümelige Erde des neuen Pflanzenbehälters drücken und die Pflanze in das Loch setzen. Achtung! Der Wurzelansatz muss unter der Erde liegen. Die Wurzel senkrecht in das Loch setzen, denn eine umgebogene Wurzel, führt zu Wachstumsverzögerungen. Bei zu langen Wurzeln ist es darum von Vorteil die Wurzeln etwas zu kürzen]. Das Loch vorsichtig schließen, andrücken und angießen. Nun die Pflanze weiter wachsen lassen, nicht sofort nach den Pikieren nach draußen bringen.

Bei mir kam in diesem Jahr alles in die Erde, meine Gartenzwerge sind nicht so besonders differenziert zu Werke gegangen. In den 64 Torfbechern wächst nun, mehr oder minder erfolgreich, Rosenkohl, Kohrabi, Radieschen, Salat, Erbsen, Sellerie, Wassermelone (ja, neuer Versuch!), Bohnen, Tomaten, Paprika und Gurke heran.

 

 

 

 

 

 

Ein Kommentar zu “Frühlingszeit – Aussaat- und Setzlingzeit

  • Hallo liebe Nadine, ein schöner, informativer Artikel, und ich lerne was ich noch alles verkehrt mache. Vielen lieben Dank auch für Deine schönen Samenpäckchen, die nach ein paar Tagen schon auf dem Dachboden keimen. Ich hole also auf 😉
    Noch ein Tipp von mir: Bei Verwendung eines Mini-Gewächshauses, sobald die Pflanzen keinem, diese aus der prallen Sonne nehmen oder die Abdeckung entfernen. Das habe ich früher nicht gemacht, und meine Jungpflänzchen sind dann leider verbrannt 🙁

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