Kohl in Mischkultur im Prinz-Georg-Garten in Darmstadt.

Kohl-Kombi im Prinz-Georg-Garten in Darmstadt. Genau so soll das bei mir werden. Nur in unordentlich.

So, auch mein kunterbuntes Gemüse-Blumen-Kräuterbeet am Ende der Welt ist nun fertig, zumindest fürs erste, und ich habe daher ein wenig Zeit für mein Lieblingsthema: Mischkultur.

In der Natur wächst alles wild durcheinander. Unbedeckten Erdboden gibt’s nicht. Wo auch immer ein Plätzchen frei wird, dringen sofort benachbarte Pflanzen vor oder lassen sich angewehte Samen nieder. Die einen Pflanzen spenden dabei Schatten oder Windschutz, andere locken Nützlinge an, bedecken oder verbessern den Boden. Verwesende Pflanzenteile bilden eine nährende Mulchschicht. Die Mischkultur ahmt dieses Prinzip nach. Die Idee ist, dass der Boden immer von unterschiedlichen Pflanzen bedeckt ist und damit locker, feucht und nährstoffreich bleibt. Dafür sorgen Zwischenkulturen, die entfernt werden, sobald die Hauptkulturen mehr Platz benötigen. Das schönste daran: man kann viele spannende Pflanzen auf kleinem Raum kombinieren.

Dies klappt nur, wenn Pflanzen nebeneinander stehen, die sich mögen. Das heißt, sie dürfen keine Konkurrenz um Licht, Platz und Nährstoffe bilden.

Die wichtigsten Regeln zur Mischkultur

  • Pflanzen einer Familie möchten in der Regel weit auseinander stehen, da sie sonst um Nährstoffe buhlen und dieselben Schädlinge anziehen. Manche Pflanzen haben daher chemische Absonderungen entwickelt, um Mitglieder der eigenen Familie (Selbstunverträglichkeit) oder auch andere konkurrierende Pflanzen auf Abstand zu halten. So erträgt fast niemand den Wermut – außer Johannisbeeren, Kohl und Möhren.
  • Der Appetit ist von Pflanze zu Pflanze unterschiedlich. Man unterscheidet die hungrigen Starkzehrer (z.B. Kürbisgewächse) von maßvollen Mittelzehrern (z.B. meine Erbslein) und den genügsamen Schwachzehrern (z.B. mediterrane Kräuter). Mittelzehrer vertragen sich mit allen Partnern gut. Stark- und Schwachzehrer dagegen sollten mit Abstand gepflanzt werden, damit letztere nicht überdüngt werden. Ähnliches gilt für den Wasserbedarf.
  • Platz da! Wurzeln, die unterschiedlich tief in die Erde reichen, nutzen die Nährstoffe im Boden optimal aus. Daher ergänzen sich Tiefwurzler und Flachwurzler. Ähnlich funktioniert es auch überirdisch: Pflanzen, die sich gern ausbreiten, passen toll zu schlanken Pflanzen, die lieber in die Höhe schießen.
  • Duftstoffe können Nützlinge anlocken oder Schädlinge irritieren. Daher rührt die beliebte Kombination von Rosen mit stark ätherischen Kräutern wie Salbei, Thymian oder Lavendel – trotz unterschiedlicher Nährstoffbedürfnisse.

Bei meinem ersten Mischkulturen-Gemüsebeet rund um einen fragil anmutenden Zucchini-Setzling habe ich es im letzten Sommer zweifellos übertrieben. Vor lauter Bodenverbesserung und passenden Partnerpflanzen wie Tomaten, Basilikum, Tagetes (Studentenblume) und Ringelblume, hat sich die Zucchinipflanze ein wenig zu wohl gefühlt. Als ich aus meinem Sommerurlaub zurückkam, hatte sie auf einer Fläche von 2 qm jedwede Vegetation unter gigantischen Blättern erstickt und Unmengen an Riesenkolben produziert. Wochenlang aßen wir nichts anderes als Zucchini, bis der liebste Gatte ein Machtwort sprach und seine Dienste als Koch und Meistergrill für dieses Gemüse verweigerte.

In diesem Jahr besteht meine persönliche Herausforderung mit der Mischkultur darin, dass ich keine Reihen anlege wie Nadine, sondern nur einzelne Pflanzen kultivieren und gruppieren möchte, darunter sowohl Einjährige als auch Mehrjährige. Daher müsste ich theoretisch sehr gut planen, was wohin kommt. Allerdings gehe ich nicht mit Zollstock und Reißbrett ans Werk, sondern entwickle das Beet sukzessive und auch nur dann, wenn ich Zeit habe. Manche Pflanzen habe ich daher schon mehrfach umgesetzt, wie z.B. den Baldrian, der nun gemeinsam mit Borretsch, Estragon hoffentlich als Puffer zwischen Kohl und Erbsen auf der einen und Erdbeeren, Knoblauch und Zwiebeln auf der anderen Seite ganze Arbeit leistet.

Gemüse, Kräuter und Blumen, einträchtig nebeneinander in Mischkultur

Pflanzen in bunter Eintracht: links unten Ecke vom Erdbeerbeet mit wildem Salat als Zwischenkultur, d.h. er muss raus, wenn die Erdeeren mehr Platz brauchen. Außerdem wachsen zwischen den Erdbeeren Knoblauch und Zwiebeln – gegen Baktieren und Pilzbefall. Darüber der mehrfach umgesetzte Baldrian. Er bildet eine Kräuterpartnerschaft mit dem vom Umzug gebeutelten Estragon. Beide passen gut zum Borretsch und zum Ewigen Kohl (beide mittig). Die grünen Pflanzen neben den Erbsen (rechts am Gitter) sind Ringelblumen. Rechts daneben lasse ich eine Kräuterhecke wachsen. Im oberen Bildteil wachsen die Chilis nun in einem Kräuter- und Blumenmix. Bei den gelben und orangefarbenen Tupfern handelt es sich um Tagetes. Im Hintergrund schießen links das Mädesüß und rechts die Himbeeren in die Höhe. Wer die Duftveilchen in diesem Mischkulturenbeet vermisst: den Veilchen wars auf dem Acker viel zu heiß und sie erholen sich jetzt im Garten unter der Thuja-Hecke neben den Walderdeeren.


Die Wirkung von Mischkultur objektiv zu testen, ist schwierig, da selten vergleichbare Konditionen vorliegen. Haben meine Hibiskus-Sträucher in diesem Jahr so viele Blattläuse, weil die mediterranen Kräuter die Thuja-Hecke nicht überlebt haben oder weil es einfach so gar nicht richtig regnen will?

Besonders viele Kombi-Möglichkeiten werden für Bohnen oder Kohl vorgeschlagen, weil diese offensichtlich sehr häufig angebaut wurden und damit als bewährt gelten. Dass eine Kombination unbekannt ist, heißt nicht, dass sie nicht funktioniert. Daher teste ich nun!

Wichtig sind Blumen im Gemüsebeet! Hier meine Favoriten:

  • Tagetes (Studentenblume) und Ringelblumen: Lebender Dünger fürs Rosenbeet! Sorgt für Bodengesundung und vermindert Fadenwürmer. Tomaten lieben das. Doch auch andere Gemüse bewahrt Tagetes vor Schädlingen.
  • Borretsch: Schützt Kohl vor Schädlingen und wirkt als Bienenmagnet. Jedoch macht er sich schnell breit. Er säht sich auch gern selbst aus.

Nachdem meine eigenen Aussaaten bisher nicht keimen, freue ich mich, wenn Ringelblumen und Borretsch ihre Verbreitung selbst in die Hand nehmen.

Für die Fruchtfolge, also die zeitliche Abfolge, welche Pflanze eine andere im Beet ablösen darf, gelten ähnliche Regeln wie fürs räumliche Mischen. Pflanzt man z.B mehrere Jahre hintereinander Kohl, ist der Boden ausgelaugt und mit Schädlingen wie z.B. Pilzsporen angereichert. Ausführliche Abhandlungen hierzu sprengen sicher die Aufmerksamkeit des geneigten Lesers im Rahmen eines Blogartikels …

Ich empfehle daher zwei Bücher, die mir gezeigt haben, welche Pflanzenpartner gut harmonieren.

Buchtipps: Christa Weinrich, Mischkultur im Hobbygarten, und: Natalie Faßmann, Auf gute Nachbarschaft: Mischkultur im Garten.

Meine wertvollsten Ratgeber: wenig Bilder aber viele Tipps rund um die Mischkultur.

Buchtipps zum Thema Mischkultur

  1. Christa Weinrich, Mischkultur im Hobbygarten, Ulm 2008.
    Großes Plus: Frau Weinrich gibt konkrete Anleitungen für die Beetplanung inkl. idealer Fruchtfolge und stellt zahlreiche erprobte Partnerschaften vor, garniert von praktischen Übersichtstabellen. Perfekt (um nicht zu sagen „idiotensicher“) für Einsteiger und ihren Sofortstart von null auf hundert.
    Nachteil: Mit besonderen Pflanzen, die nicht im Buch stehen, wie mein Knollenziest oder mein Baumspinat, lässt mich Frau Weinrich ratlos zurück.
  2. Natalie Faßmann, Auf gute Nachbarschaft: Mischkultur im Garten. Gemüse – Kräuter – Zierpflanzen, Darmstadt 2009.
    Großes Plus: Alle Pflanzenfamilien werden mit wichtigen Vertretern vorgestellt und ich bekomme Regeln an die Hand, wie ich diese kombinieren kann. Zudem macht Frau Faßmann Mut, diese Regeln weiterzuentwickeln und Neues zu wagen.
    Auch hier helfen viele bewährte Kombinationen und zahlreiche Tabellen.
    Nachteil: Wer den Schnelleinstieg sucht, ist evtl. von der Theorie ein wenig erschlagen.
Küchengarten in Mischkultur

Wahnsinn wie schnell das alles wächst. Vergleicht dieses Foto meines Küchengartens vom 15. Mai mal mit dem vom 11. April!

5 Kommentare zu “Mischkultur – Diversity im Gemüsebeet

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