Planet der Ameisen

Luxus Garten – Es ist aufwendig und teuer, auf dem Planet der Ameisen Gartenerfolge zu feiern!

Während ich anhand mehrerer befallener Pflanzen eine Versuchsreihe zu Maßnahmen gegen schwarze Blattläuse unternehme, sind dem liebsten Gatten die Ameisen auf unserer Terrasse ein Dorn im Auge. Er tobt wie Rumpelstilzchen und schreit nach Backpulver.

Dass die Ameisen mitsamt ihrer Brut dann wieder in meinen Kompost umsiedeln werden, kümmert ihn nicht. Müde belächle ich seine ergebnislosen Versuche der Biophase und reiche ihm dann kommentarlos die tödliche Falle aus dem Giftschrank.

So weit ist es gekommen. Früher war es für Arbeiterhaushalte durchaus normal, einen Garten zu haben, um Kartoffeln und Gemüse anzubauen und damit die Ernährung zu sichern. Heute ist es der reinste Luxus, einen Kleingarten zu unterhalten. Deklassiert Euch nicht mit Nail Art, Mädels. Dreck unterm Fingernagel ist das wahre Statussymbol.

„Das sieht man“ – Statussymbol Garten

  • Es fängt ja schon bei der benötigten Grünfläche an. Ein Garten ist ein Geschenk! Vertical gardening wäre nicht zum Trend avanciert, wenn alle einen Garten hätten, die sich einen wünschen.
  • Neben dem Platz braucht man einiges an Zeit, nicht nur zum Planen und Pflanzen, sondern zum Verbessern des Bodens und zum Erhalt der Pracht. Dafür leiste ich mir mittlerweile fast einen Tag pro Woche, der eigentlich meiner selbständigen Tätigkeit gehören sollte. „Das sieht man“, würde Dehner sagen.
  • Es geht weiter beim Wasser. Unsere Rechnung für Wasser (und Abwasser!) steigt deutlich nach diesem trockenen Frühjahr. In diesem Mai haben wir 2 Kubikmeter mehr verbraucht als im Mai 2014. Dafür sehe ich vom Gießkannenschleppen mittlerweile aus wie Popeye. Sparen lässt sich also immerhin beim Fitnessstudio.
  • Am Kostenintensivsten sind die diversen Schutzmaßnahmen, mit denen ein Gärtner gegen die Natur der Dinge kämpft. Nicht ein Gemüsesetzling, für den sich nicht schon ein Schädling bereithält, nicht ein Obstgewächs, auf das nicht schon eine Pilzspore lauert.

Unsere vier Wände gehören uns, und so lange der Keller nicht wieder mit Wasser vollläuft, haben wir alles unter Kontrolle. Die Welt da draußen jedoch gehört den Ameisen, den Wühlmäusen, dem Sternrußtau, den wilden Brombeeren, etc. Um die in Griff zu kriegen, brauchen wir die Utensilien der helfenden Gartenindustrie. Von Antisepticum bis Zaun: Die mechanische Bio-Ausstattung sowie die Pflanzenschutzmittel-Kollektion für harte Fälle sind viel teurer als die geplanten Pflänzlein selbst. Einfach leben geht anders.

Ziemlich erledigt: Blutampfer, Erdbeeren und Tagetes

Splatterstreifen der Woche:
Platz 3: BISS zur Mittagsstunde, Platz 2: Fleisch, Platz 1: Was vom Tagetes übrig blieb.

Fressen lassen oder selber futtern?

Gerade recherchiere ich, wie ich Topinambur und Knollenziest – beides gefährdete Wurzelleckerlis – vor Wühlmäusen schützen kann, sollten sie je über die Schnecken hinauswachsen. Das Interesse der Schnecken wiederum gilt, seit sie die Tagetes niedergemacht haben, den hellgelben Erdbeeren, die sie präventiv anfressen, um einer Ernte durch mich zuvor zu kommen. Liebe Nadine, hiermit habe ich unseren Wettbewerb um die schmackhaftesten Erdbeeren gewonnen. Allerdings werde ich wohl selbst nicht in deren Genuss kommen.

Nun zweifle ich am Sinn meines Schaffens, denn offensichtlich unterhalte ich mit großem Aufwand einen Garten, um Ungeziefer zu mästen. Das Chaos ist stärker als ich, denn es ist vielgestaltig und vielzählig. Nun auch noch Wühlmauskörbe und Schneckenzaun? Ein Fort Knox für den Knollenziest? Werde ich denn am Weihnachtsabend wirklich auf den Acker stapfen, um mit klammen Fingern die Delikatess-Knollen fürs Weihnachtsmenü zu auszugraben und dann in mühevollster Kleinarbeit zu säubern?
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Nachtrag: es warn die Spatzen, nicht die Schnecken [09.06.2015]

Eine Nachbarin meinte ja, die Ameisen wärens, die die Erdbeeren vernaschen. Aber nein. Als ich am Sonntagmorgen eine Schar Spatzen aus dem benachbarten Erdbeerbeet aufstieben sah, wusste ich endlich, wer die gierigen Räuber sind, und konnte Abhilfe schaffen.

Erbeeren gut geschützt unterm Vogelschutznetz

Gefahr erkannt – Gefahr gebannt! Dank Vogelschutz kann ich nun endlich auch Erdeeren ernten. Sind aber gar nicht so lecker wie die vom Bauer Lipp :o(

3 Kommentare zu “Planet der Ameisen

  • Nebenberufliche, selbständige Tätigkeit wird völlig überbewertet oder wie die Dame vom Jugendamt meinte: „Ist uns egal, was sie in ihrer Freizeit treiben“. Dann kann ich ja auch gärtnern… nur leider finanziert das nicht mein neues Auto :(. Immerhin sind bei uns weit und breit keine Schädlinge in Sicht, das Futter bleibt also für uns, der Salat ist während unseres Urlaubs ins Unermessliche gewachsen – ich trau mich aber nicht zu ernten und die Ameisen fallen zum Glück nur über das Katzenfutter her.

  • Beneidenswert! Ich tue mich schwer damit, meine Gartenbesessenheit zu verteidigen, wenn der liebste Gatte nicht mal Erdbeeren dafür bekommt, dass er das Haus mit dem Komplettset Wischer Combi Clean wienert … Er ist jetzt nicht so der Typ für Kohl und Baumspinat.
    Das Auto lässt auch bei mir die Stimmung kippen, da Golfi nur dank aufwendiger Reparatur durch den TÜV kam. Trotzdem möchte ich meine gewonnene Zeit nicht mehr hergeben.

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