GärtnerInnen wissen: Nachlässigkeit beim Jäten bereut man schnell, wenn der mühsam freigelegte Boden wie im Nu von „spontaner Begleitvegetation in Kulturpflanzenbeständen“ (Wikipedia), wie wir Unkraut heute politisch korrekt beschreiben, zurückerobert wird.

In meinem Falls handelt es sich v.a. um Quecke aber auch um Giersch, Hahnenfuß, Brennnesseln, Löwenzahn, Gundermann und Wegerich. Während ich letztere als Wildkräuter schätzen kann, die durchaus positive Effekte im Garten haben können, stehe ich mit der unverwüstlichen Quecke auf Kriegsfuß. Nicht nur bildet sie perfide die fiesesten Wurzelgeflechte, sondern Sie vermehrt sich außerdem noch überirdisch – mittels Samenstreuung. Daher rupfte ich das Süßgras raus, sobald es die kleinste grüne Spitze aus dem Boden schiebt. Besser noch ziehe ich die Wurzelstrippen, bevor sie überhaupt Morgenluft schnuppern.

Immerhin zeigt mir der Wildwuchs in meinem Garten an, wie mein Boden beschaffen ist, nämlich sehr schwer, sticktoffreich und ziemlich verdichtet. Das erklärt, warum nicht alle Lavendel-, Thymianpflanzen sowie kein einziger Rosmarin den feuchten Winter überstanden haben, obwohl ich regelmäßig Sand in den Boden einarbeite. Denn an den moderaten Temperaturen lag es sicher nicht.

Folgende Methoden habe ich ausprobiert, um die Beikräuter in Schach zu halten:

Schritt 1: Mechanisches Entfernen von Unkraut

Quecke mit Wurzeln

Quecke – frisch ausgerupft.

  • Umgraben:
    Wenn Beikräuter monatelang freie Bahn hatten und der Boden komplett durchwurzelt ist, hilft mechanisches Umgraben, um die Wurzelgeflechte freizulegen. Danach kann mit der Hacke und spitzen Fingern die Wurzeln entfernen. So habe ich es bei meinem Gemüseacker gemacht – Stück für Stück den Boden erkämpft. Nachteil: Aus jedem abgehackten Wurzelschnipsel kann sich eine neue Pflanze entwickeln. D.h. regelmäßiges Nacharbeiten ist ein absolutes Muss. Das ist schlecht für Flachwurzler wie z.B. Himbeeren, die unter dem Gehacke leiden. Wer jedoch mit wechselnden Gemüsebeeten arbeitet, kann den Boden im Herbst wieder großflächig säubern.
  • Strippen ziehen:
    Im Vorgarten habe ich im Gräsermeer ein paar Schätze entdeckt, die ich erhalten wollte, z.B, einen entzückenden kleinen Rhododendron. Daher habe ich versucht, die Wurzelstränge einzeln freizulegen und auszugraben. Ein hartes, ermüdendes Geschäft, aber nachhaltig.

Schritt 2: Weiterem Wildwuchs vorbeugen

  • Kante zeigen:
    Umgegrabenes Nutzbeet mit Rasenkante

    Damit der Akt des Umgrabens und das mühsame Jäten nachhaltig bleiben, arbeite ich mit einer Rasenkante.

    Mein Ackerbeet umgebe ich mit einer Rasenkante damit es in Form bleibt. Um die Queckenwurzeln wirklich abzuhalten, müsste ich diese zwar mindestens 40 cm tief in den Boden setzen, aber auch 20 cm sind eine Spaßbremse für den Ausbreitungseifer des Unkrauts.
  • Mulchen:
    Pflanzen lieben es nicht, wenn die Sonne direkt auf den Gartenboden knallt. Daher ist Mulchen, also das Bedecken des Bodens, eine tolle Pflegemaßnahme, zur Regelung der Temperatur und um Samen am Keimen zu hindern. Der allseits beliebte Rindenmulch macht jedoch den Boden sauer. Hortsensien, Rhododendren und Heidelbeeren freuen sich darüber, Rosen allerdings gar nicht. Ich setze ihn daher nur auf „sauren“ Beeten ein.

    Gemulchtes Beet mit Rasenschnitt vom Mähen

    Mulch aus Rasenschnitt mindert sowohl Hitze als auch Unkraut.

    Den Rest des Gartens mulche ich mit Rasenschnitt und anderen Pflanzenabfällen. Wenn diese verrotten, kann ich sie immer wieder unterhacken und damit die Erde sowohl mit Nährstoffen anreichern als auch lockern. Leider habe ich nicht genug Rasen für meinen enormen Mulchbedarf … Wichtig dabei: Vor dem Rasenmähen prüfen, dass die Gräser keine Samen tragen, die durch das Mulchen im Beet verteilt werden.
  • Das kleinere „Übel“: Wildkraut gegen Wildkraut.
    Solange ich Pflanzen verwende, die meine Boden- und Lichtbedingungen schätzen und die zudem selbst sehr wuchsfreudig und streitbar sind, halten diese den Wildwuchs selbst in Schach.

    Dachte sich der Brennnesselsamen hinter meinem Kompost: „Im Dunkeln ist gut munkeln!“.

    Sprießende Minze erstickt jedes Unkraut im Keim

    Kaum dringt ein Sonnenstrahl hinter meinen Kompost, sprießt auch schon die Minze

    Entgegnete meine Kampf-Minze:
    „Wer den Sieg behält, der hat Recht“ …

    Doch Vorsicht: Auch diesen Pflanzen muss man ggf. durch Wurzelsperren oder regelmäßiges Entfernen Einhalt gebieten, damit sie ihre Beetpartner nicht überwuchern. Der Vorteil der Minze gegenüber der Brennnessel ist, dass sich erstere nicht durch Samen vermehrt.

    In meinem Vorgarten ringen derzeit Waldmeister, Kaukasusvergissmeinnicht und Bärlauch um die Vorherrschaft. Da wächst kein Gras mehr! Der Heidelbeere gefällt das.

  • Akzeptanz der „Wilden“ als hilfreiche Beikräuter:
    Hortensie, von Waldmeister umwachsen. Da ist kein Platz für Unkraut

    Im Schattenbeet dient der Waldmeister als Bodendecker, der sich rasch ausbreitet.

    So nach und nach entdecke ich, wie toll viele Wildkräuter tatsächlich sind, und liege damit voll im Trend. Da der Gundermann so hartnäckig versucht, in meinen Beeten heimisch zu werden, darf er demnächst unter dem Birnbaum wachsen. Dieser freut sich nämlich sehr über diesen Pflanzpartner. Und die Brennnesseln platziere ich im Gemüsebeet, neben Baldrian, Salbei oder auch Beeren, auf die sie wohltuend wirkt. Wer redet da von Unkraut?

4 Kommentare zu “Vom Umgang mit Unkraut bzw. Beikräutern

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.