Herbsthimbeeren mit Frostschäden

Himbeeren schockgerostet! Meine unverwüstlichen Herbsthimbeeren haben bei dem Kälteeinbruch Ende April sehr gelitten.

Nachbarin Jutta hat mich ja noch gewarnt, der alten Bauernregel entsprechend mit dem Auspflanzen meiner wärmehungrigen Gemüse und Kräuter bis nach den Eisheiligen zu warten. Aber in Zeiten der globalen Erwärmung habe ich den frostigen Hochwürden nicht mehr viel zugetraut … Ein Fehler!

Ich bin wohl solarbetrieben, denn meine Lebensenergie scheint einzig und allein an der Sonne zu hängen. Seit der Frühling Einzug gehalten hat, bin ich nach langer Murmeltierphase nun als aufgedrehtes Duracell-Häschen unterwegs. Und natürlich habe ich Basilikum, Kürbisgewächse, Tomaten, etc. bereits an dem letzten, langen und vor allem wunderbar warmen Wochenende ins Freie gepflanzt. Wie war das noch mal mit der Geduld?

Hauptsache, ich kann ein neues Erledigt-Häkchen in meiner Aufgabenliste setzen. Zudem sollte mein Pflanzenaufzuchtzimmer wieder zum gemeinschaftlichen Wohnzimmer werden, in dem auch Hausherr und Stereoanlage ihre Soundbalance wiederfinden.

Sibirischer Rhabarber

Dieser Rhabarber kommt aus Sibirien. In meinem neuen Beet hält er nun ganz allein die Stellung bis nach den Eisheiligen.

Ein Fehler, wie sich dieses Wochenende zeigt. Denn im Gegensatz zu den letzten Jahren, zeigt die kalte Sophie, die letzte der Eisheiligen, wo im Rhein-Main-Gebiet am Pfingstsonntag der Eispickel hängt. Bis auf 3° C soll die Nachttemperatur bei uns absinken. Die Temperaturangaben beziehen sich dabei auf eine Höhe von zwei Metern. Direkt am Boden kann es – je nach Lage – frostiger werden … So eine Zucchini ist allerdings bei 2° C futsch, weiß der Gärtnermeister von gärteln.com auf Youtube, neben allerlei weiterem Nützlichem zum Thema „Eisheilige“.

Was habe ich also gemacht? Alles wieder ausgebuddelt, frische Ameisennester entfernt und meine kleinen Schatzis, wieder hinterm Wohnzimmerfenster platziert. Einzelne Töpfe habe ich draußen auf dem Schuppendach in zwei Metern Höhe aufgestellt und mit Vlies geschützt.

Soll es doch eisheilig werden, Herrgodds Donndrwäddr abbr au!

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Bei den Eisheiligen handelt es sich um ein meteorologisches Phänomen. Während sich im Mai die Temperaturen auf dem europäischen Kontinent rasant hochschrauben, erwärmen sich die Ozeane nur sehr langsam für den Sommer. Dadurch kommt es zu Temperaturunterschieden zwischen Wasser und Land und es bilden sich Tiefdruckgebiete. Die Luftmassen kommen in Bewegung, spielen Ringepiez mit Anfassen und während die warme Luft nach Norden abzieht, bekommen wir im Gegenzug die kalte Polarluft zurück. Magischer Endpunkt für dieses Phänomen war einst die Kalte Sophie am 15. Mai, nach Mamertus, Pankratius, Servatius und Bonifatius.

Bei der Umstellung auf den gregorianischen Kalender hat sich der Anwendungszeitraum für diese Bauernregel verschoben. Die gefürchteten Kälteeinbrüche können nun bis zu einer Woche später stattfinden, obwohl die Namenstage der Eisheligen ihren angestammten Platz im Kalender behalten durften.

 

 

 

2 Kommentare zu “Von Voreiligen und Eisheiligen – oder: Pflanze nie vor der Kalten Sophie!

  • Oje, nach über einer Woche Sommer habe ich auch ein bißchen Angst vorm Wochenende, ich buddel aber nix mehr aus, mal gucken, was über bleibt …. Die letzte eisige Aprilwoche haben die Pflanzen, die da schon draußen waren gut überstanden, danach hatte auch ich wieder Lust auf eine freie Fensterbank. Ich habe mir ja so tolle Hütchen gekauft, die schützen die Paprika, hoffentlich reicht es…

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