Bild meiner Herbsthimbeere Autumn Bliss

Herbsthimbeere Autumn Bliss

Trotz erstem Wintereinbruch ernte ich noch immer Beeren. Letztes Jahr hat die letzte Himbeere im Dezember einsam über dem Gemüseacker geleuchtet. Allein das ist ein Grund, Herbsthimbeeren zu lieben. Doch es gibt weitere Gründe, diese wunderbaren Beerensträucher anzubauen.

Generell sind Himbeeren pflegeleicht. Sie bevorzugen einen leicht sauren Boden (ph-Wert von 5,5). Containerpflanzen wachsen jederzeit rasch an, die eigentliche Pflanzeit ist jedoch im Frühjahr. Pflanzt man Himbeeren aus, vermehren Sie sich schon bald durch unterirdische Ausläufer. Gedüngt wird im Frühjahr. Dafür nehme ich Kompost.

Sommerhitze und Trockenheit stecken Himbeeren gut weg. Gegossen habe ich jedoch als es Richtung Ernte ging. Staunässe mögen Himbeeren gar nicht. Diese lässt sich vermeiden, indem man feste Böden mit Gartenerde und Kompost lockert und die Beerensträucher zudem auf einen kleinen Erdwall pflanzt, damit Regenwasser gut abfließen kann. Ein Mulchdecke schützt im Frühjahr vor zuviel Sonne.

Da es sich bei Himbeeren um Rosengewächse handelt, sollte man Abstand zu Äpfeln, Birnen, Brombeeren, Erdbeeren, Himbeeren, Kirschen, Mandeln, Pfirsichen, etc. halten, um Nahrungskonkurrenz zu vermeiden. Auch Kartoffeln sind ungünstige Partner.

Obgleich sie schattige Wurzeln schätzen, mögen Himbeeren als Flachwurzler keine Pflanzenkonkurrenz am Boden. Unkraut muss also regelmäßig entfernt werden. Passende Partnerpflanzen für Drumrum sind Knoblauch, Studentenblumen, Ringelblumen, Melisse, Lavendel, Thymian und Weinraute. Auch mit Minze habe ich gute Erfahrungen gemacht. Letztere breitet sich allerdings wie auch die selbst Himbeeren unkontrolliert aus. Obacht also vor fiesen Wurzelverflechtungen!

So, nun zum Unterschied zwischen Sommer- und Herbsthimbeeren.

Bei Herbsthimbeeren handelt es sich um besonders pflegeleichte Neuzüchtungen. Im Unterschied zu den klassischen Himbeeren (Sommerhimbeeren) bieten sie folgende Vorteile:

  • Sie sind in der Regel resistenter gegen Wurzelfäule (ich schreibe „in der Regel“, denn eine Herbsthimbeere – eine stachellose Variante übrigens – ist mir trotz Qualitätszüchter, Erwerb im Fachhandel und liebevollster Pflege in kurzer Zeit eingegangen). Sehr empfehlen kann ich die Sorte Autumn Bliss. Die wächst beim mir fröhlich und gesund und schmeckt auch sehr lecker. Ernten kann ich ab Anfang August. Meine zweite Herbsthimbeere ist ebenfalls sehr robust, blüht und reift ca. 2 Wochen später und trägt riesige herzförmige Früchte.
  • Herbstragende Himbeeren blühen am einjährigen Trieb und werden daher nach der Ernte über dem Boden abgeschnitten. Dadurch gibt es kaum Rutenkrankheiten.
    Bei Sommerhimbeeren dagegen blühen ausschließlich die zweijährigen Triebe. Folglich schneidet man nur die abgeernteten, eher bräunlichen Ruten und lässt die jungen, grünen stehen. Letztere werden zudem deutlich höher als Herbsthimbeeren und müssen aufgebunden werden.
  • Ruten von Sommerhimbeeren, erreichen bis zu 2 m Höhe und müssen umständlich aufgebunden werden. Die Ruten der Herbsthimbeeren sind mit 1,2 m bis 1,5 m deutlich niedriger und benötigen nur eine leichte Stütze. Damit lassen sie sich sogar in den kleinsten Gärten anbauen, z.B. als Hecke am Zaunentlang.
  • Durch die späte Blüte schafft es der Himbeerkäfer nicht, seine Eier in den Blüten abzulegen. Dadurch gibt’s dann auch keine Maden in den reifen Beerenfrüchten. Tatsächlich erinnere ich mich, dass ich früher bei meiner Oma immer erst geprüft habe, ob eine gerade gepflückte Himbeere innen in Ordnung ist. Auch über 30 Jahre später kann ich diese Gewohnheit nicht ablegen, obwohl ich noch nie auch nur das kleinste Tierchen in meinen Herbsthimbeeren erspäht habe.

Meine Frage müsste daher eher lauten: Warum Sommerhimbeeren?

Auch dafür findet sich ein entscheidendes Argument: Frühe Herbsthimbeeren liefern erst ab Anfang August Früchte. Für alle, die darauf nicht warten möchten, empfiehlt es sich, die Himbeersaison mit Sommerhimbeeren zu verlängern! So kann schon früh im Juli genascht werden. Unbedingt sollte man jedoch beide Himbeerarten getrennt pflanzen, um sie beim Schnitt auseinanderhalten zu können.

Nach meinem ersten Gartenjahr mit eigenem Gemüseacker kann ich Herbsthimbeeren für Anfänger uneingeschränkt empfehlen. Vor allem stimmen Aufwand und Ertrag, z.B. im Gegensatz zu meiner nur langsam wachsenden Heidelbeere oder auch den Erdbeeren, die deutlich mehr Anbaufläche brauchen und stets vor Schnecken und Vögeln gerettet werden wollen. Zudem sind Himbeeren sehr, sehr teure Lebensmittel und ich als Beerenliebhaberin spare durch den eigenen Anbau, während der Rest des Gartens ein Vermögen verschlingt (vgl. Planet der Ameisen oder vom Luxus des Gärtnerns). Neuerdings wächst daher bei mir auch ein kleiner Sommerhimbeer-Zögling, den ich bei Nachbarin Jutta ausbuddeln durfte.

Leckere Herbsthimbeeren

Leckere Herbsthimbeeren

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Kleiner Sorgenpunkt: 2008 wurde die Kirschessigfliege Drosophila suzukii in Europa eingeschleppt. Seitdem dringt sie immer weiter in nördliche Regionen vor. In Süddeutschland stellt sie bereits ein echtes Problem dar, denn sie befällt Beeren und andere Weichobstarten, indem sie reifende Früchte anritzt und ihre Eier hineinlegt.

Hier Profi-Tipps zum Umgang mit der Kirschessigfliege aus der Schweiz

 

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