Diverse Wildkräuter:Ganz links ein gefiedertes Blatt der Schafgarbe, von hinten ragt ein Zweig Labkraut ins Bild, mittig wächst Gänsefingerkraut.

Diverse Wildkräuter: Ganz links ein gefiedertes Blatt der Schafgarbe, von hinten ragt ein Zweig Labkraut ins Bild, mittig wächst Gänsefingerkraut.

Wildkräuter sammeln kann jede / jeder, auch ohne Garten, sofern sie / er sich auskennt, welche Pflanzen genießbar sind. Um genau das zu lernen und auch die Heilwirkung auszuprobieren, die vielen Wildkräutern zugeschrieben werden, gibt es die Kräuterfreunde Ober-Ramstadt.

Julia Moos sorgt professionell für Spa, Wellness und Entspannung und ist auch Expertin für Wildkräuter, offiziell seit Oktober 2016, privat allerdings schon deutlich länger. Sie organisiert und leitet die Treffen, die meistens mit einem Impulsreferat beginnen und – über einen lebhaften Austausch unter den TeilnehmerInnen – zu praktischen Anwendungen selbst gesammelter Wildkräuter führen.

Jetzt im Sommer jedoch machen wir vor allem „Ausflüge“ in die nahe Natur, um uns darin zu üben, die Wildkräuter selbst zu erkennen und zu sammeln. Bei manchen Kräutern ist das Identifizieren problematisch, insbesondere wenn es giftige Doppelgänger gibt, bei den anderen tatsächlich das Pflücken. Wer eine Brennnessel schmerzfrei ernten möchte, muss an der richtigen Stelle beherzt zugreifen.

Bärenklau?

Ein schöner Fremder am Wegesrand. Ist das Bärenklau? Wir sind uns nicht sicher, da es Wildkräuter gibt, die ihm sehr ähnlich sehen, wie z.B. der hochgiftige Schierling. Mittlerweile tippe ich auf den Wiesen-Kerbel. Aber testen werde ich das nicht …

Letzten Donnerstag führte Julia Moos unser Grüppchen zum Ober-Ramstädter Stausee, um auf einer gemähten Wiese frische Wildkräuter für einen Kräuterquark zu sammeln. Ihre Warnungen:

  1. Sammele niemals am Straßen- oder Feldrand, denn Abgase, Dünger und/oder Hundeexkremente haben im Essen nichts zu suchen.
  2. Hahnenfußgewächse sind zwar nicht die giftigsten Pflanzen aber die häufigsten Giftpflanzen. Diese darfst Du keinesfalls essen!
  3. Viele gesunde und leckere Wildkräuter haben giftige Doppelgänger. Pflücke daher nur Pflanzen, die Du einwandfrei bestimmen kannst.

Gepflückt haben wir junge Blätter und zum Teil auch die Blüten von

  • Brennnessel – oberste Blätter
  • Dost (wilder Majoran), Blätter
  • Gänseblümchen – Blüten
  • Giersch – oberste Blätter
  • Gundermann / Gundelrebe – mehr die Blüten, die Blätter sind geschmacksintensiv und nicht jederfraus Sache
  • Labkraut – oberste Blätter und Blüten
  • Schafgarbe – die Augenbraue der Venus – feine Blätter, nicht zu viele, da recht bitter
  • Spitzwegerich – Blätter und Blüten
  • Zaunwicke – Blätter und Blüten
Wildkäuterquark

Wildkäuterquark: Ganz obenauf thront Gundermann in einem Blütenmeer, drumherum verteilen sich Gänseblümchen, oben rechts Blüten vom Schnittlauch, links unten von der Zaunwicke.

Die meisten der Wildkräuter habe ich photographert. Nur beim Giersch habe ich leider nicht aufgepasst und auch kein Foto gemacht, den kannte ich ja schon.  … Dachte ich …

Quark mit Wildkräutern – frisch von der Wiese

Zurück an unserem Treffpunkt, einen Parkplatz, haben wir dann nach Julias Anleitung gemeinsam einen Kräuterquark angerührt.

  • Mit viel Quark und einem Anteil Saure Sahne – wenn auch ohne Feta, da sich nicht alle Kräuterfreunde für selbigen erwärmen konnten, –
  • abgeschmeckt mit Zitronensaft, Paprikapulver, Salz und Pfeffer und dann natürlich mit
  • unserer individuellen Wildkräutermischung plus eine Extra-Portion Zwiebeln und Schnittlauch aus dem Garten.

Einfach lecker!

Eigene grüne Sauce mit Wildkräutern

Das Gelernte habe gleich am Samstag zu Hause angewendet. Wir brauchten zum Essen noch eine Soße zum Lachs, den wir selbst räuchern wollten, sowie zu knusprigen Ofenkartoffeln. Leider hatten wir nur noch noch etwas Joghurt und Crème légère im Kühlschrank, weil ich an unserem  Großeinkaufstag unterwegs war und sich der Fokus meines liebsten Gatten meistens auf tierische Proteine richtet …

Der echte Giersch

Der echte Giersch – Und ich hab ihn zum Fressen gern …

Nicht einmal Senf war noch vorrätig. Zum Glück war aber auch der Rasen noch nicht gemäht. Kurzerhand habe ich geerntet, was unser kleiner Wildgarten wider Willen hergibt, um eine eigene grüne Soße zu improvisieren: Blüten von Bärlauch, Gänseblümchen und Gundermann dazu Blätter von Brennnessel, Schafgarbe, Dost, Zitronenmelisse, Pimpinelle, Schnittlauch und Petersilie … und wie ich dachte Giersch … habe ich mit einem EL Kürbiskernöl, dem übrigen Joghurt und einem halben Töpfchen Crème légère püriert. Dazu kamen der Saft einer halben Limette sowie Salz und Pfeffer. Sehr aromatisch und frisch.

Julias Tipp: Alle Kräuter erst einmal selbst probieren und dann die verwenden, die einem persönlich zusagen.

Einziges Dilemma zwischen Soßenzubereitung und Abendessen: Beim Nachschlagen der Pflanzen unseres Wildkräutersammelabends, fiel mir auf, dass Giersch ganz anders aussieht als ich gedacht hatte. Die Blätter lanzettförmig und mit drei Spitzen? Wenn das Giersch ist, liebe heilige Hildegard, welches Kräutlein steckt dann in meiner Soße?

Wildes Salatkraut

Wildes Salatkraut, oder? Meine Recherchen ergaben, dass es sich wohl um den Wilden Rainkohl handelt. Sehr verdauungsfördernd, aber sonst nicht allzu wild 😉

Nun hat uns Julia also extra eingetrichtert, ausschließlich Wildkräuter zu essen, die wir einwandfrei identifizieren können, und ich habe stante pede irgendein No-Name-Kraut ins Abendessen gemischt, nur weil es bei mir im Garten allerorts emporschießt, als wäre es Giersch.

Unser letztes Abendmahl?

Um sicher zu gehen, das Wochenende zu überstehen, habe ich Nachbarin Jutta informiert. Nach unserem deliziösen Mahl mit dem gewissen Kitzel habe ich dann noch viel recherchiert. Dabei bin ich letztlich auf den gemeinen Rainkohl gestoßen, zum Glück. Man kann ihn als Wildsalat oder Gemüse essen, er lindert angeblich Hautentzündungen oder Schnittwunden und hilft bei Verstopfung. Letzteres habe ich gemerkt … Geschmacklich war sein Beitrag zur grünen Wildkräutersoße jedoch eher gering, wie ich rückblickend sagen kann. Es hätte sich wahrhaftig nicht gelohnt, dafür ins Gras zu beißen. Dann schon lieber ein Abend mit Kugelfisch!

Kosmos Naturführer Wildkräuter

Was blüht denn da? Der Kosmos Naturführer hilft beim Identifizieren von Wildkräutern.

Aber ich bin froh, dass alles gut gegangen ist. Und beim nächsten Mal ernte ich den „echten“ Giersch! Nichts hilft besser gegen Unkraut im Garten, als es einfach zu aufzuessen.

Anmerkung: Ich bin keine Kräuterexpertin, diese Seite ist kein Wildkräuterbestimmungsbuch. Also hüte Dich, damit Du nicht nach wildem Kräutergenuss Bauchschmerzen bekommst. Mein Lesetipp: Was blüht denn da? vom Kosmos Verlag oder ein anderes gutes Buch, um Wildkräuter sicher zu bestimmen.

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