Wichtiges zu den Falterarten Eichenprozessionsspinner und Pfaffenhütchen-Gespinstmotte, zu deren geheimnisvollen Raupen und Gespinsten, und warum man die beiden Arten keinesfalls verwechseln sollten.

Gestern beim Spaziergang mit einer Freundin und deren Tochter entdeckten wir am Wegrand einige Gespenstersträucher: ratzeputz kahlgefressen und geheimnisvoll eingesponnen. Während ich mental sofort in Mittelerde, genauer bei den Spinnen Düsterwalds, war, hatten meine beiden Mädels ganz andere Gedanken:

Der Eichenprozessionsspinner

In Hannahs Schule wurde solche Gespinste vor kurzem durch Experten in Schutzkleidung entfernt. Dabei handelte es sich um eine Kolonie von Eichenprozessionsspinnern. Diese Falterart legt ihre Eier in den Zweigen von Bäumen ab, die daraus schlüpfenden Raupen fressen die Blätter. Für Mensch und Tier sind die Raupen gefährlich, da sie über Brennhaare verfügen. Deren Eiweiß führt bei Hautkontakt oder beim Einatmen der Haare zu toxischen oder allgergischen Reaktionen von Reizungen bis zu allergischen Schocks … Ein bisschen grinsen muss ich schon. Angriff der giftigen Killerraupen? Die feinen Härchen werden jedoch auch über den Wind verbreitet und können durch Einatmen Astma auslösen. Daher soll man die Raupen auch keinesfalls selbst entfernen, sondern lieber Abstand halten. Eine Anwohnerin, durch unser Gespräch beunruhigt, kündigte an, sich umgehend an, sich an die Gemeindeverwaltung zu wenden.

Richtig gemacht? Ich habe noch mal recherchiert, welche kahlen Sträucher und welche gefräßigen Raupen wir tatsächlich gesehen haben.

In Bezug auf die Gelege des Prozessionspinners wie in Hannahs Schule ist dieses Vorgehen korrekt. Dessen Unterarten sind nach ihren jeweiligen Wirtsbäumen benannt. Am häufigsten tritt der Eichenprozessionsspinner in unserer Region auf. In der Nähe von Ansiedlungen wird dieser von Profis und vorzugsweise mechanisch entfernt. Denn bei den höchst umstrittenen Einsätzen von Chemie werden zugleich alle nützlichen Falterarten stark geschädigt.

Die Pfaffenhütchen-Gespinstmotte auf dem Vormarsch.

Die Gespinstmotte auf dem Vormarsch. An einer der letzten Blüten erkenne ich, dass es sich beim befallenen Strauch um ein Pfaffenhütchen handelt.

Die Pfaffenhütchen-Gespinstmotte

Die Gruselgespinste, die wir bei unserem Spaziergang gesehen haben und die Du auf dem Titelbild bewundern kannst, stammen jedoch gar nicht von Prozessionspinnern sondern von Gespinstmotten. Bei den umsponnenen Sträuchern handelt es sich um das Europäische Pfaffenhütchen bzw. den Gewöhnlichen Spindelstrauch (Euonymus europaeus), das hier sehr weit verbreitet ist. Daraus leite ich ab, dass hier die Pfaffenhütchen-Gespinstmotte am Werke ist, ein sehr kleiner Falter „mit einer Flügelspannweite von 18 bis 24 Millimetern“ (Wikipedia). Für eine ungestörte Nahrungaufnahme mit Schutz vor Regen oder Fressfeinden, erstellen die Raupen der Gespinstmotte ihre zeltartigen Kunstwerke. Die Pflanzen werden dadurch nicht dauerhaft geschädigt. Sobald die Raupen sich Ende Juni in Falter verwandeln, treiben die Sträucher in der Regel wieder aus. Diese Falter sollten daher keinesfalls chemisch bekämpft werden. Man macht dadurch im Garten einfach mehr kaputt, als es nützt. Wenns sein muss, hilft ein scharfer Wasserstrahl.

Reizender Spinner oder doch nur Verhüllungskünstler?

Wie kann ich nun unterscheiden, um welche Gespinste bzw. Raupen es sich jeweils handelt? Ob ich in Deckung gehe oder das Naturschauspiel bewundere?
Erst einmal sind diese Raupen auf ihren jeweiligen Wirt spezialisiert, der Eichenprozessionsspinner auf Eichen, allenfalls Buchen, die Gespinstmotte auf ihren jeweiligen Futterstrauch. Das hilft enscheidend bei der Bestimmung.

Darüber hinaus sind online viele richtungsweisende Informationen zu finden: Web-Auftritte von Naturschutzorganisationen, Wikipedia oder auch Übersichten privater Falter-Fans, so dass sich mittels Suchmaschinen so ziemlich alles recherchieren lässt. Mit der Wortkombination „Gespinst“ und „Raupe“ war ich sofort bei der Gespinstmotte. Einem lokalen Presseartikel habe ich entnommen, dass in meiner Region das Pfaffenhütchen befallen ist. Ich habe daher eine Annäherung an die Sträucher riskiert, um mir die Raupen genauer anzuschauen und zu fotografieren. Keine Härchen. Der Abgleich meiner Fotos mit Online-Bildern von Eichenprozessionsspinner und Pfaffenhütchen-Gespinstmotte, bzw. Bildern von Pfaffenhütchen-Sträuchern war dann sehr einfach und ich bin nun beruhigt.

Bei Unsicherheit ist jedoch die Gemeinde auf jeden Fall eine gute Anlaufstelle.

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