In meinem Garten befindet sich ein Hummelnest. In den Gängen, in denen im Herbst regelmäßig Feldmäuse ihr Unwesen treiben, hat sich eine Hummelkönigin eingenistet. Neulich Abend habe ich in einer Doku gesehen, dass eine ausgehungerte Hummel auf Nestsuche durchaus eine Maus aus Ihrem Bau vertreiben kann.

Auch Vogel-Nistkästen kommen für ein Hummelquartier in Frage. Und solange man ihnen ihren Nistplatz jedoch nicht streitig macht, sind die Hummeln äußerst friedliche Mitbewohner. Im Garten sorgen für eine entspannende Geräuschkulisse und Sommerlaune.

Hummeln werden zu den Wildbienen gezählt. Sie besuchen bis zu fünf mal soviel Blüten wie Honigbienen. Bis zu 1000 Blüten werden von einer Arbeiterin täglich bestäubt. Dafür ist sie bis zu zu 18 Stunden unterwegs. Zudem fliegen Hummeln auch bei einer Kälte, die in Richtung Gefrierpunkt geht. Honigbienen erst ab 10° Celsius. Hummeln werden daher schon in Massen für den Obst- und Gemüseanbau gezüchtet und garantieren uns so unter anderem lecker Glashaustomaten von März bis Oktober.

Wirtspflanzen für Hummeln

Dafür legt die Hummelkönigin über den Sommer hinweg bis zu 500 Eier. Das kann bei mir also ein ganz munteres Völkchen werden. Ich gehe davon aus, dass es sich um dunkle Erdhummeln handelt, eine ungefährdete Spezies. Nahrungstechnisch sind sie unkompliziert und machen sich über alles her, was ungefüllte Blüten hat. Insekten, die von Kulturpflanzen leben, haben also Glück.

Eine Ackerhummel an mir unbekanntem Wildwuchs

Eine Ackerhummel an mir unbekanntem Wildwuchs

Dennoch ist Nahrungsmangel die Nummer 1 beim Artenschwund unter den Hummeln. Insbesondere beginnt ab Mitte Juli eine harte Zeit, da inmitten von Getreidefeldern nur noch wenige Trachtpflanzen bleiben, die Nektar für die Larven und Pollen für die ausgewachsenen Insekten liefern. Im August findet man dann viele tote Hummeln unter Lindenbäumen. Oft steuern sie die Bäume mit letzter Kraft an, um dann festzustellen, dass auch dort keine Nahrung mehr zu holen ist, weil die Konkurrenz schneller war. Wer also in seinem Garten im Spätsommer für Blütenreichtum sorgt, hilft Hummeln ganz besonders. Aber wie überall gilt auch bei den Blumen: Hände weg von Fertigmischungen, lieber gezielt für die jene Wirtspflanzen sorgen, die von den gefährdeten Insekten bevorzugt werden.

Viele Hummeln sind nämlich auf ganz bestimmte Trachtpflanzen spezialisiert. Die gefährdete Distelhummel ernährt sich bevorzugt von Glockenblumen und Sandglöckchen. Andere fliegen auf Klee. Den gibt’s bei mir im Garten reichlich, weil wir selten mähen. Doch bei wem sonst noch? Fabaceae (Hülsenfrüchtler) werden als wichtigste Nahrungsquelle auch für bedrohte Arten genannt, gefolgt von Ericaceae (Heidekrautgewächse). Aber auch Natternkopf und Flockenblume sind wertvolle Wirtspflanzen.

Undank ist der Königinnen Lohn

Nachdem sie ein ganzes Hummelvölkchen begründet hat, geht es zu Ende. Diese Hummelkönigin fliegt nicht mehr ...

Nachdem sie ein ganzes Hummelvölkchen begründet hat, geht es zu Ende. Diese Königin fliegt nicht mehr …

 

Etwa ab Juli, wenn das Volk aus genügend Arbeiterinnen besteht, legt die Königin Eier aus denen Jungköniginnen und Drohnen schlüpfen. Sobald dann die Drohnen die Jungköniginnen begattet haben, kommt es zum Aufstand: die Jungköniginnen vertreiben die alte Königin oder töten sie sogar. Eventuell ist das bei meinem Hummelnest bereits der Fall, denn ich habe letzte Woche eine Hummelkönigin erlöst, die nur noch einen Flügel hatte, während der Traffic rund ums Hummelnest unbeeindruckt fortgesetzt wurde, mit etwas weniger dicken Königinnen in der Zielgerade.

Im Herbst stirbt das Hummelvolk ab. Die Jungköniginnen jedoch suchen sich ein Versteck für ihren Winterschlaf, um im Frühling an einem neuen Platz ein eigenes Volk begründen. Sollten meine Mäuse dennoch fortbleiben, werde ich sie nicht vermissen, wozu habe ich denn Ratten im Schuppen  …

Quellen:

Meine Hummeln im Garten, außerdem:

One comment on “Hummeln: Aggro gegen Mäuse, tolerant mit Menschen

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