Mit ihrem ABC-Modell für Mischkultur in Reihen gelang der Gärtnerin Gertrud Franck ein einfaches System, das Mischkultur und Fruchtfolge im Küchengarten berücksichtigt. Hier die Gründe, warum ich das in diesem Gartenjahr mal ausprobiere.

Letztes Jahr habe ich gelernt, welche Pflanzen einander grün sind und damit gern nebeneinander wachsen. Daraufhin habe ich ein wildes Multikultibeet aus Obst, Gemüse, Kräutern und Blumen in Mischkultur angelegt. Unpraktisch daran war, dass ich rasch vergessen habe, wo ich zuvor Samen und Zwiebeln verbuddelt hatte. Ich nenne das den Eichhörnchen-Effekt! In der Folge habe ich nicht richtig gegossen oder meine Schätze beim Hacken sogar wieder freigelegt oder beschädigt. Mit sauberen Reihen, wie die von Nadine, wäre das nicht passiert.

Nun stehe ich vor der neuen Herausforderung Mischkultur plus Fruchtfolge. Denn wo die Erbsen letztes Jahr standen, dürfen sie nun keinesfalls hin. Warum ist das so?

Für eine durchdachte Fruchtfolge gibt es verschiedene Gründe

  • Gartenkundige unterscheiden Stark-, Mittelstark- und Schwachzehrer nach dem Nährstoffbedarf von Obst- und Gemüsepflanzen. Starkzehrer fühlen sich auf einem frischen Beet am wohlsten. Hierbei handelt es sich um meine liebsten Gemüse: Auberginen, Kartoffeln, Kohlsorten, Mais, Tomaten, Zucchini, … alles lecker! Im zweiten Jahr reichts noch für Mittelstarkzehrer wie Fenchel, Melonen, Knoblauch, Bohnen, u.a. … eigentlich auch lecker. Im dritten Jahr sollten nur noch Schwachzehrer wie Erbsen, Linsen, Salate oder auch Spinat aufs Beet. Ok, sie schmecken alle sehr gut, bis auf den Salat. Im vierten Jahr liegt das Beet am besten zur Erholung brach. Man braucht also eine Vierfelderwirtschaft für eine bunte Ernte.
  • Pflanzen entziehen dem Boden bestimmte Nährstoffe und ziehen bestimmte Schädlinge wie z.B. Nematoden an. Platziert man daher Pflanzen derselben Familie nacheinander auf derselben Stelle, wird der Boden einseitig ausgelaut und Nachfolger im Beet leiden schneller an Nährstoffmangel oder auch Schädlingen. Abwechslung ist daher angesagt!
  • Viele Pflanzenfamilien sind zudem selbstunverträglich, d.h. sie reichern den Boden mit toxischen Stoffen an, um Nahrungskonkurrenten der eigenen Familie das Leben schwer zu machen. Daher gilt für Pflanzen derselben Familie eine Anbaupause von mindestens 3 Jahren. Bei meinen Erbsen, die zu den Schmetterlingsblütlern gehören, werden sogar 6 Jahre Anbaupause empfohlen.

Unter Berücksichtigung dieser Regeln wird’s echt schwierig, jedes Jahr ein neues Plätzchen für die Erbsen zu finden, zumal ich schon viele dauerhafte Gemüse, Kräuter und Blumen in meinem Beet habe. Zudem sträube ich mich gegen eine Beetplanung mit Excel-Tabelle.

Die Lösung bringt das fabelhafte Reihen-ABC nach Gertrud Frank

Fruchtfolge ade! Unabhängig von Nährstoffbedarf und Pflanzenfamilien, beruht das System von Gertrud Frank auf der Dauer, welche die Pflanzen zum Wachsen und Reifen brauchen sowie deren Platzbedarf. Nach dieser Einteilung werden Reihen gepflanzt nach dem Muster

A ‒ C ‒ B ‒ C ‒ A ‒ C ‒ B ‒ C …

  • A Hauptkulturen: Das sind Gemüsepflanzen, die die ganze Saison benötigen und sehr hoch oder breit werden, also viel Platz brauchen. Darunter fallen Gurken, späte Kohlarten, Stangenbohnen, Tomaten und Zucchini.
  • B Vor- oder Nachkulturen: Das sind Gemüsesorten, welche die halbe Gartensaison im Beet wachsen. Hierzu gehören Erbsen, frühe Kohlsorten, Lauch, späte Möhren und Rettiche, Sellerie, Ziebeln u.a.
  • C schnell wachsende Kulturen: Das sind Pflanzen, die mehrfach im Jahr gesäht und geernetet werden können, wie Radieschen, frühe Möhren und Rettichsorten, Salate oder auch Spinat.

Zwischen den Reihen werden jeweils 50 cm Zwischenraum benötigt.

In den Zwischenräumen wird – ebenfalls in Reihen mit 50 cm Abstand zueinander – bereits im März Gründünger gesäht. Beim Frankschen Original-Modell handelt es sich um Spinat. Am besten werden die Gemüsereihen dabei gleich mit Stäben und farbigen Eitiketten markiert, damit klar ist was wo wächst.

Das ABC-Modell von Gertrud Franck zu Mischkultur in Reihen

Mit dem ABC-Modell nach Gertrud Franck zur Mischkultur in Reihen ist Fruchtfolge kein Thema mehr. Meine A- und B-Kulturen stehen schon fest. Für die C-Kulturen überlege ich noch … Wieviel Radieschen können zwei Personen essen?

 

Wichtig ist, dass der Gründünger aus einer anderen Pflanzenfamilie stammt, als die Gemüsepflanzen, die angebaut werden sollen. Wenn ich mit Klee mulche, sollte ich im Folgejahr mit Erbsen aufpassen (beides Schmetterlingsblütengewächse). Der wachsende Gründdünger schützt zunächst das keimende Junggemüse. Später wird er geschnitten und bleibt als gemulchter Weg zwischen den Gemüsereihen liegen. Schnecken und Mäuslein freuts …

Im Folgejahr verschiebt sich das gesamte Beet um 25 cm, d.h. die Mulchwege werden bepflanzt, die Beete vom Vorjahr werden zum Weg. Auf diese Weise kann man über Jahre hinweg ohne einen Gedanken an eine passende Fruchtfolge dasselbe Gemüserepertoire anbauen, denn die einzelnen Sorten landen nur alle acht Jahre an derselben Stelle.

Nachteile:

  • Der Platzbedarf ist enorm. Für Physalis, Erbsen, Bohnen, Mais und Zucchini benötige ich eine Breite von drei Metern. Dafür muss eine alte Frau ganz schön viel umgraben!
  • Salat mit einem Schneckenzaun zu schützen kann ich endgültig vergessen. Andererseits: Bis jetzt bin ich ohnehin noch nicht von der Effizienz eines Schneckenzaunes überzeugt. Eine gute Ausrede, weiterhin auf Salat zu verzichten 😉
  • Meine mehrjährigen Beetschätze werden an den Rand verbannt – oder sie benötigen ein eigenes Beet. Tatsächlich werde ich die Mehrjährigen (auch Erdbeeren dürfen drei Jahre an derselben Stelle verbleiben) in meinem alten Beet belassen und für das „Wandergemüse“ ein neues Beet schaffen.

Fortzsetzung folgt bestimmt!

Ein Kommentar zu “Mischkultur und Fruchtfolge nach dem ABC-Modell von Gertrud Franck

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