„Die besinnlichen Tage zwischen Weihnachten und Neujahr haben schon manchen um die Besinnung gebracht.“

Joachim Ringelnatz

Wie immer zwischen den Jahren ziehe ich meine Jahresabschlussbilanz. Für mein Leben im Allgemeinen – und seit ein paar Jahren auch für meinen Küchengarten. Die Redewendung „zwischen den Jahren“ meint heute den Zeitraum zwischen Heiligabend und Neujahr, bezog sich jedoch ursprünglich auf den Zeitraum der 12 Rauhnächte zwischen dem 21. Dezember und dem 6 Januar. Ich Glückliche habe über all diese Rauhnächte und auch die frostigen Tage hinweg frei und damit viel Zeit zum Ausruhen und Nachdenken.

2016 fand ich persönlich schwierig. Seit Mai stand ich unter Dauerstrom und habe das Jahresende mehr oder weniger auf allen Vieren erreicht. Dabei kam einiges zu kurz, vor allem die Pflege meines Küchengartens (… zum Glück habe ich kein Haustier!). Das Fokussieren auf einige wenige Gemüsesorten wären ratsam gewesen. Das hätte mir  genügend Zeit und Energie gegeben diese auch zu gießen, zu düngen, ggf. hochzubinden oder auszugeizen etc.

Stattdessen habe ich gigantische Mengen an Gemüse vorgezogen und eine Menge Kräuter bestellt, die ich dann hektisch irgendwo unterbringen musste, als ich anderweitig Stress hatte. Zuletzt habe ich im Sommer eine Fuhre Grünkohl besorgt, die ich erst im Oktober im Gemüsebeet untergebracht habe. Der derzeitige Anblick ist daher recht kümmerlich und auch die winterliche Spinaternte lässt noch auf sich warten.

Für 2017 habe ich mein Leben daher radikal ausgedünnt, indem ich meine Nebentätigkeit eingestellt habe. Diese Entscheidung ist mir nach acht Jahren Aufbauarbeit sehr schwer gefallen, aber nun tut es richtig gut. Doch auch in meinem Küchengarten möchte ich mich fokussieren und so mehr Zeit für kuinarische Experimente gewinnen.

Meine guten Küchengarten-Entscheidungen

  • Mehr Bärlauch gepflanzt. Ich bin ganz verrückt danach.
  • Den Baumspinat gepäppelt. Eines Tages ist er groß und stark und ich backe eine Quiche damit!
  • Erst habe ich Physalis vorgezogen, dann im Kübel ausgepflanzt. Die Früchte waren nicht besonders süß aber sehr intensiv. Die letzten habe ich an Weihnachten im Winterquartier geerntet. Die Pflanze ist nach wie vor gesund und freut sich aufs Frühjahr.
  • Einen zweiten Ewigen Kohl gepflanzt. Ich liebe ihn! Und Helmut schwächelt leider schon eine Weile.
  • Das neue Gemüsebeet mit Kapuzinerkresse aufgefüllt. Diese hat das Beet so überwuchert und ein feuchtes Mikroklima geschaffen, dass Nachbarin Jutta während meines Urlaubs trotz 36°Grad-Septemberhitze kaum gießen musste. Zudem hatte ich dort überhaupt kein Unkraut. Und ein herrlicher Anblick war es obendrein.
  • Toronjil Morado gepflanzt. Der ist nicht nur ein Fest für die Augen, sondern auch zitronig lecker. Aber das wird ein eigener Blogartikel.

Was ich 2017 im Küchengarten anders mache

  • Erst optimiere ich mein neues Beet, bevor neue Pflanzen dazukommen. Entschleunigung im Leben, Entschleunigung im Garten … Denn noch geben die Brombeerranken den Kampf nicht auf. Ich aber auch nicht.
  • Ich sage dem ABC-Modell im Gemüsebeet ade, denn:
    1. Künftig wähle ich einen Gründünger, der im Winter abstirbt. Es ist die Hölle, ein verfilztes Kleegewurzelin einem Beet unterzuhacken.
    2. Strikte Reihen passen nicht zum echten Leben. Die ursprünglich geplanten und liebevollst gepäppelten Artischocken haben kurzerhand die Wühlmäuse vernascht, dafür bekam ich Tomaten geschenkt. Wie soll man da eine sinnvolle Fruchfolge planen?
  • Ich kaufe nur noch Tomaten, die Fäule-resistent sind. 2015 war es den ganzen Sommer extrem trocken und Jutta hatte wunderbare Tomaten, so dass ich dieses Jahr nicht widerstehen konnte, selbst welche anzubauen. Alle verfault – bis auf die resistenten Kirschtomaten vom Darmstädter Wochenmarkt.
  • Künftig lockere vor der Zucchini-Pflanzung wieder den Boden mit Kompost und Hornspänen. Nachdem ich mich über das Wuchern meiner letzten Zucchini so beschwert habe, bekam ich dieses Jahr die Quittung. Trotz jungfräulichem, stickstoffreichen Gemüsebeet konnte ich nur drei Zucchini ernten. Dann lieber ungebremstes Wachstum. Schließlich habe ich mittlerweile genügend Rezepte, um um auch eine reichliche Ernte zu verarbeiten.
  • Mehr Bohnen und mehr Erbsen. Beide Hülsenfrüchte sind einfach im Anbau und unvergleichlich lecker.

In diesem Sinne wünsche ich viele gute Garten-Entscheidungen für 2017 und für heute Abend einen guten Rutsch!

 

Wilder Küchengarten - das Gemüsebeet wieder außer Rand und Band.

Wilder Küchengarten im September: Statt einer ordentlichen Kultur in Reihen wächst doch wieder alles durcheinander. Die Bohnen sind bereits geerntet, die Kapuzinerkresse überwächst den Rest. Nur der Ewige Kohl (rechts) hält dagegen. > Zum Vergrößern, klicke bitte auf das Foto!

2 Kommentare zu “Jahresabschlussbilanz im Küchengarten

  • Euer Blog ist super, schön geschrieben und spannende Themen (als nächstes werde ich schauen, wo ich ewigen Kohl bekomme ;)). Der Garten sieht wunderschön aus, Reihen braucht kein Mensch… Vielen Dank für die Einblicke und Inspiration und viel Zeit im Garten in diesem Jahr!

    • Hallo Marc,

      dankeschön für Dein Lob und entschuldige bitte die späte Antwort. Wir haben so viele Spam-Kommentare, da bist Du uns durchgerutscht.

      Ich hab meinen Ewigen Kohl aus dem Internet von Rühlemann’s: hhttp://www.kraeuter-und-duftpflanzen.de/Nach-Verwendung/Essbare-Pflanzen/Blattgemuese-/Ewiger-Kohl-Pflanze. Die arbeiten ihre Bestellungen ab März so nach und nach ab, Du brauchst also ein wenig Geduld.

      Mein Ewiger Kohl hat den Winter leider nicht geschafft, dafür aber der Ableger meiner Nachbarin sowie meine panachierte Variante, vgl. http://www.kraeuter-und-duftpflanzen.de/Botanisch/Brassica/Ewiger-Kohl-weissbunt-Pflanze. Aus dem habe ich zuletzt Gemüsechips gemacht. Lecker!

      Viel Erfolg beim Anbau wünscht
      Inken

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